Wochenbericht Bau: Inhalt und Zweck
Der Wochenbericht verdichtet die täglichen Aufzeichnungen der Baustelle zu einem Lagebild für Bauherr, Bauträger oder Projektsteuerung. Während der Bautagesbericht festhält, was an einem Tag passiert ist, zeigt der Wochenbericht, ob das Projekt im Plan liegt, wo es hakt und welche Entscheidungen anstehen. Er ersetzt weder das Bautagebuch noch formale Anzeigen, ist aber das wichtigste Steuerungsinstrument zwischen den Baubesprechungen.
| Bericht | Takt | Schwerpunkt |
|---|---|---|
| Bautagesbericht | täglich | Wetter, Personal, Leistungen, Ereignisse |
| Wochenbericht | wöchentlich | Leistungsstand, Termine, Behinderungen, Vorschau |
| Bautenstandsbericht | zu Meilensteinen | Baufortschritt für Bank oder Käufer |
| Baubesprechungsprotokoll | je Besprechung | Vereinbarungen, Zuständigkeiten, Fristen |
Leistungsstand und Soll-Ist-Vergleich
Aussagekräftig wird der Bericht erst mit dem Vergleich gegen den Bauzeitenplan. Im Beispiel der Vorlage steht der Innenputz bei 45 % statt 50 %, das Gewerk wird gelb. Der Trockenbau liegt mit 40 % über dem Soll von 35 %, wartet aber im Dachgeschoss auf die Elektroinstallation. Der Meilenstein „Fertigstellung Innenputz“ verschiebt sich vom 06.11. auf den 10.11., die Vorlage zeigt 4 Tage Verzug. Solche Abhängigkeiten zwischen Gewerken sollten im Bericht ausdrücklich stehen, damit der Bauherr die Folgen versteht.
Behinderungen: Wochenbericht ersetzt keine Anzeige
Fehlende Pläne, ausstehende Vorleistungen oder Schlechtwetter gehören in den Bericht. Für die Rechtsfolgen reicht das aber nicht: Ein Auftragnehmer, der sich behindert sieht, muss dies nach § 6 Abs. 1 VOB/B unverzüglich schriftlich anzeigen, sonst hat er Anspruch auf Berücksichtigung der hindernden Umstände nur, wenn sie dem Auftraggeber offenkundig bekannt waren. Nutzen Sie dafür das Muster Behinderungsanzeige. Auch Bedenken gegen die Ausführung sind nach § 4 Abs. 3 VOB/B gesondert schriftlich mitzuteilen.
Kennzahlen der Woche und Verteilung
Unter dem Bericht rechnet die Excel-Fassung fünf Kennzahlen: den durchschnittlichen Leistungsstand der erfassten Gewerke, die Zahl der Gewerke hinter dem Soll, die Termine mit Verzug, die Personentage auf der Baustelle und die durchschnittliche Zahl der Personen je Arbeitstag. Im Beispiel arbeiten zwischen 8 und 12 Personen täglich auf der Baustelle, zusammen 52 Personentage oder im Schnitt 10,4 Personen je Arbeitstag. Sinkt die Besetzung bei gleichzeitigem Verzug, ist das ein frühes Warnsignal, das Sie in der nächsten Baubesprechung ansprechen sollten. Verschicken Sie den Bericht immer an denselben Verteiler, nummerieren Sie ihn fortlaufend und legen Sie ihn zur Bauakte. So ist später nachvollziehbar, wann Bauherr und Firmen über einen Verzug informiert waren, etwa wenn eine Vertragsstrafe im Raum steht.
Typische Fehler im Wochenbericht
- Leistungsstand geschätzt statt aus Aufmaß oder Begehung abgeleitet.
- Nur Prozentwerte ohne Bezug zum Soll, sodass Verzug nicht sichtbar wird.
- Behinderungen nur im Bericht erwähnt, aber nicht formal angezeigt.
- Offene Entscheidungen des Bauherrn ohne Termin, bis wann sie fallen müssen.
- Bericht ohne Nummer und Verteiler, sodass später unklar ist, wer was wusste.

