Was regelt eine Baustellenordnung?
Die Baustellenordnung ist die Hausordnung der Baustelle. Sie bündelt die Regeln, die für alle Beteiligten gleich gelten: wann gearbeitet werden darf, wer die Baustelle betreten darf, wie Material gelagert und Abfall entsorgt wird und welche Sicherheitsregeln einzuhalten sind. Gesetzlich vorgeschrieben ist sie nicht. Sie ist aber das wichtigste Werkzeug der Bauleitung, um auf einer Baustelle mit vielen Gewerken Ordnung zu halten und Streit über Verschmutzung, blockierte Zufahrten oder beschädigte Bauteile zu vermeiden. Ausführlich erklärt der Artikel Baustellenordnung: Inhalt und Muster die Hintergründe.
Rechtsgrundlagen der Baustellenordnung
| Regelung | Inhalt | Abschnitt im Muster |
|---|---|---|
| AVV Baulärm | Immissionsrichtwerte und Zeiten für lärmintensive Arbeiten | 1. Arbeitszeiten |
| § 2a SchwarzArbG | Pflicht der Beschäftigten im Baugewerbe, Ausweispapiere mitzuführen | 2. Zugang |
| §§ 5, 12 ArbSchG | Gefährdungsbeurteilung und Unterweisung durch jeden Arbeitgeber | 1. und 3. |
| Baustellenverordnung | Koordination, SiGe-Plan, Vorankündigung bei größeren Baustellen | 3. Arbeitssicherheit |
| Gewerbeabfallverordnung | Getrennte Sammlung von Bau- und Abbruchabfällen | 4. Entsorgung |
| § 4 Abs. 5 VOB/B | Pflicht des Auftragnehmers, ausgeführte Leistungen bis zur Abnahme zu schützen | 5. Schutzpflichten |
Verbindlich wird die Baustellenordnung erst, wenn sie Bestandteil der Bauverträge ist. Ein Aushang allein bindet die Firmen nur eingeschränkt. Vertragsstrafen oder pauschale Umlagen für Reinigung und Baustrom müssen im Vertrag selbst vereinbart sein; die Baustellenordnung kann darauf verweisen, sie aber nicht ersetzen.
Baustellenordnung in der Praxis einführen
- Muster vor der Vergabe an die Baustelle anpassen und den Ausschreibungsunterlagen beifügen, damit die Firmen die Regeln in ihre Preise einrechnen.
- Mit dem SiGe-Plan und der Baustelleneinrichtung abstimmen: Lagerflächen, Container und Zufahrten müssen zum Baustelleneinrichtungsplan passen.
- Beim Anlaufgespräch jeder Firma erläutern und die Unterschrift einholen.
- Am Eingang, im Bauleitungsbüro und in den Sozialräumen aushängen, bei ausländischen Kolonnen zusätzlich in deren Sprache.
- Verstöße mit Datum und Foto im Bautagebuch festhalten und die Firma schriftlich zur Abhilfe auffordern.
Was nicht in die Baustellenordnung gehört
Die Baustellenordnung ersetzt weder die Gefährdungsbeurteilung jedes Arbeitgebers noch den SiGe-Plan oder die Brandschutzordnung Teil A. Technische Ausführungsregeln, Termine und Vergütung gehören in den Vertrag und den Bauzeitenplan. Halten Sie die Baustellenordnung kurz und konkret, damit sie gelesen wird.
Typische Fehler bei der Baustellenordnung
- Nur ausgehängt, aber nicht in die Verträge aufgenommen: Sanktionen lassen sich dann kaum durchsetzen.
- Kosten für Reinigung oder Baustrom umgelegt, ohne dass der Vertrag das vorsieht.
- Arbeitszeiten festgelegt, die den Auflagen der Baugenehmigung oder der AVV Baulärm widersprechen.
- Lagerflächen und Zufahrten beschrieben, die im Baustelleneinrichtungsplan anders liegen.
- Nach Änderungen keine neue Fassung mit Datum ausgegeben, sodass unklar ist, welche Regel gilt.
