Praxis & Vorlagen

Baustellenordnung: Inhalt und Regeln für alle Firmen + Vorlage zum Download

Aktualisiert am 24. Oktober 2026 · 8 Min. Lesezeit · Redaktion BauDock
Kostenlose Vorlage · ohne Anmeldung
Baustellenordnung Muster – kostenlos als PDF herunterladen

Eine Baustellenordnung legt verbindlich fest, welche Regeln für alle Firmen und Personen auf einer Baustelle gelten: Arbeitszeiten, Zugang, Ordnung, Sicherheit, Entsorgung und Lagerung. Sie setzt die Pflicht des Auftraggebers aus § 4 Abs. 1 Nr. 1 VOB/B um, für die allgemeine Ordnung auf der Baustelle zu sorgen und das Zusammenwirken der Unternehmer zu regeln. Dieser Artikel erklärt, was in eine Baustellenordnung gehört, wie Sie sie verbindlich machen und wie sie zu SiGe-Plan, Brandschutzordnung und Baustelleneinrichtung passt.

Das Wichtigste in Kürze
  • Die Baustellenordnung regelt das Miteinander aller Firmen auf der Baustelle. Grundlage ist die Ordnungs- und Koordinationspflicht des Auftraggebers (§ 4 Abs. 1 Nr. 1 VOB/B).
  • Sie ist kein gesetzlich vorgeschriebenes Formular, wird aber durch Bezug im Bauvertrag für alle Auftragnehmer verbindlich.
  • Typische Inhalte: Arbeitszeiten, Zugang und Anmeldung, Ordnung und Sauberkeit, Arbeitsschutz, Entsorgung, Lagerflächen, Verkehrswege, Strom und Wasser, Verstöße.
  • Sie ergänzt den SiGe-Plan nach Baustellenverordnung und die Brandschutzordnung, ersetzt sie aber nicht.
  • Wirksam wird sie erst, wenn jede Firma sie vor Arbeitsbeginn erhält, bestätigt und die Bauleitung Verstöße dokumentiert.

Was ist eine Baustellenordnung?

Die Baustellenordnung ist das Regelwerk einer Baustelle. Sie richtet sich an alle Auftragnehmer, deren Nachunternehmer, Lieferanten und Besucher und legt fest, wie auf dieser konkreten Baustelle gearbeitet wird. Je mehr Firmen gleichzeitig tätig sind, desto wichtiger ist sie: Auf einer Wohnbaustelle mit zehn Gewerken braucht es klare Regeln dafür, wer wann anliefert, wo Material lagert, wer den Abfall entsorgt und wann Lärm erlaubt ist.

Rechtlich knüpft die Baustellenordnung an § 4 Abs. 1 Nr. 1 VOB/B an. Danach hat der Auftraggeber für die Aufrechterhaltung der allgemeinen Ordnung auf der Baustelle zu sorgen und das Zusammenwirken der verschiedenen Unternehmer zu regeln. Jeder Auftragnehmer ist wiederum nach § 4 Abs. 2 Nr. 2 VOB/B für die Erfüllung der gesetzlichen und behördlichen Pflichten gegenüber seinen Arbeitnehmern und für die Ordnung auf seiner Arbeitsstelle verantwortlich. Beim Arbeitsschutz verlangt § 8 ArbSchG, dass Arbeitgeber zusammenarbeiten, wenn Beschäftigte mehrerer Arbeitgeber an einem Arbeitsplatz tätig sind.

Inhalt der Baustellenordnung

Eine Baustellenordnung sollte kurz genug sein, dass sie gelesen wird, und konkret genug, dass sie im Streitfall trägt. Bewährt haben sich zwei bis vier Seiten mit einem Lageplan der Baustelleneinrichtung als Anlage.

Regelungsbereiche einer Baustellenordnung
BereichWas geregelt wirdBeispiel
GeltungsbereichBauvorhaben, Adresse, Laufzeit, für wen sie giltAlle Auftragnehmer, Nachunternehmer, Lieferanten, Besucher
AnsprechpartnerBauleitung, Polier, SiGeKo, NotrufnummernBauleitung Mo–Fr 7–17 Uhr erreichbar, Notfallnummer
ArbeitszeitenErlaubte Zeiten, lärmintensive Arbeiten, WochenendeMo–Fr 7–19 Uhr, laute Arbeiten nicht vor 8 Uhr
ZugangAnmeldung, Ausweise, Besucher, Schlüssel, AbsperrungAnmeldung im Baubüro am ersten Tag, Tor nach 19 Uhr geschlossen
Anlieferung und VerkehrZufahrt, Anlieferzeiten, Kran, HalteverboteAnlieferung nur nach Anmeldung bis 14 Uhr am Vortag
LagerungLagerflächen je Firma, Gefahrstoffe, SicherungLagerflächen laut Lageplan, keine Lagerung in Fluchtwegen
Ordnung und SauberkeitTägliche Reinigung, Verschmutzung öffentlicher FlächenArbeitsbereich besenrein bei Arbeitsende
EntsorgungContainer, Trennung, Kosten bei VerstößenAbfall getrennt nach Fraktionen, Verursacher entsorgt Sonderabfall
ArbeitsschutzPSA, Unterweisung, Gerüste, Absturzsicherung, Erste HilfeHelm und Sicherheitsschuhe Pflicht, Unterweisung vor Arbeitsbeginn
BrandschutzHeißarbeiten, Feuerlöscher, RauchverbotHeißarbeiten nur mit Erlaubnisschein
MedienBaustrom, Bauwasser, Abrechnung, ToilettenBaustrom über Verteiler der Bauleitung, Umlage nach Vertrag
VerstößeErmahnung, Ersatzvornahme, Kostentragung, PlatzverweisNicht beseitigter Abfall wird nach Fristsetzung auf Kosten des Verursachers entsorgt
💡 Fertige Vorlage
Die kostenlose Vorlage Baustellenordnung enthält alle Bereiche zum Ausfüllen und eine Empfangsbestätigung für die Firmen als PDF.

Baustellenordnung verbindlich machen

Die Baustellenordnung bindet Auftragnehmer nur, wenn sie Vertragsbestandteil ist. Nehmen Sie sie deshalb schon in die Ausschreibung auf, etwa als Anlage zu den Vorbemerkungen des Leistungsverzeichnisses, und verweisen Sie im Bauvertrag ausdrücklich darauf. Kosten, die der Auftragnehmer nach der Baustellenordnung tragen soll, zum Beispiel Umlagen für Baustrom, Bauwasser oder Bauschuttentsorgung, müssen vor der Angebotsabgabe bekannt sein, damit die Firmen sie einkalkulieren können.

Für Nachunternehmer gilt: Der Auftragnehmer muss die Baustellenordnung an seine Nachunternehmer weitergeben. Bewährt hat sich eine Regel im Bauvertrag, nach der jeder Auftragnehmer für die Einhaltung durch seine Nachunternehmer einsteht.

Bekanntgabe und Bestätigung

  1. Baustellenordnung mit Ausschreibung oder spätestens mit Auftrag übergeben.
  2. Beim ersten Baustellentermin jeder Firma erläutern und Lageplan zeigen.
  3. Empfang schriftlich bestätigen lassen, mit Datum und Name der verantwortlichen Person.
  4. Aushang am Baubüro oder Bauzaun, bei ausländischen Beschäftigten in den nötigen Sprachen.
  5. Änderungen schriftlich bekannt geben und erneut bestätigen lassen.

Den Lageplan der Baustelleneinrichtung und die Baustellenordnung selbst stellen Sie am besten dort bereit, wo die Firmen ohnehin ihre Pläne holen. In der Planverwaltung von BauDock geben Sie beides je Firma frei; wird der Lageplan geändert, ersetzt die neue Version die alte bei allen, die ihn erhalten haben.

Abgrenzung: SiGe-Plan, Brandschutzordnung, Baustelleneinrichtungsplan

Die Baustellenordnung steht nicht allein. Auf größeren Baustellen gibt es weitere Dokumente, die sich ergänzen, etwa nach der Baustellenverordnung (siehe SiGeKo und Baustellenverordnung). Wichtig ist, dass sie sich nicht widersprechen und die Baustellenordnung auf sie verweist.

DokumentZweckGrundlageWer erstellt
BaustellenordnungAllgemeine Ordnung und Zusammenarbeit§ 4 Abs. 1 VOB/B, BauvertragAuftraggeber oder Bauleitung
SiGe-PlanArbeitsschutz bei gefährlichen Arbeiten und mehreren Arbeitgebern§ 2 Abs. 3 BaustellVSiGeKo im Auftrag des Bauherrn
BrandschutzordnungVerhalten im Brandfall, BrandverhütungDIN 14096, ArbeitsstättenregelnAuftraggeber oder Bauleitung
BaustelleneinrichtungsplanLage von Kran, Lager, Container, ZufahrtenPlanung, ArbeitsschutzBauleitung oder Rohbauer

Wie eine Brandschutzordnung für die Baustelle aufgebaut ist, beschreibt der Artikel Brandschutzordnung Baustelle. Zur Planung von Lagerflächen, Zufahrten und Containern hilft die Checkliste Baustelleneinrichtung.

Muster: Auszug aus einer Baustellenordnung

Muster zum Übernehmen
Muster: Baustellenordnung (Auszug)
1. Geltung: Diese Baustellenordnung gilt für alle Auftragnehmer, deren Nachunternehmer, Lieferanten und Besucher des Bauvorhabens ……………… ab ……… bis zur Abnahme.
2. Arbeitszeiten: Montag bis Freitag ……… bis ……… Uhr. Lärmintensive Arbeiten sind zwischen ……… und ……… Uhr nicht zulässig. Arbeiten an Samstagen nur nach Freigabe durch die Bauleitung.
3. Anmeldung: Jede Firma meldet sich am ersten Arbeitstag im Baubüro an und benennt eine verantwortliche Person vor Ort.
4. Anlieferung: Anlieferungen sind bis ……… Uhr am Vortag bei der Bauleitung anzumelden. Fahrzeuge dürfen Zufahrten und Rettungswege nicht blockieren.
5. Ordnung: Jede Firma hält ihren Arbeitsbereich täglich sauber und entfernt eigenes Verpackungsmaterial.
6. Entsorgung: Abfälle sind getrennt in die bereitgestellten Container zu geben. Gefährliche Abfälle entsorgt der Verursacher selbst.
7. Arbeitsschutz: Schutzhelm, Sicherheitsschuhe und Warnweste sind Pflicht. Schutzeinrichtungen dürfen nur mit Zustimmung der Bauleitung entfernt werden.
8. Verstöße: Bei Verstößen setzt die Bauleitung eine angemessene Frist. Nach fruchtlosem Ablauf werden die Maßnahmen auf Kosten des Verursachers veranlasst.
Empfang bestätigt: Firma ……………… – Name ……………… – Datum ……… – Unterschrift ………………

Verstöße dokumentieren und durchsetzen

Eine Baustellenordnung ist nur so wirksam wie ihre Durchsetzung. Halten Sie Verstöße am selben Tag mit Foto, Ort, Firma und Uhrzeit fest. Fordern Sie die Firma schriftlich mit Frist zur Abhilfe auf. Erst wenn die Frist abläuft, sollten Sie Ersatzmaßnahmen auf Kosten des Verursachers veranlassen. Bei Verstößen gegen den Arbeitsschutz mit unmittelbarer Gefahr ist sofortiges Handeln geboten; die Bauleitung kann Arbeiten in diesem Bereich bis zur Abhilfe unterbrechen lassen.

⚠️
So hilft BauDock
Einen Verstoß gegen die Baustellenordnung erfassen Sie in BauDock wie einen Mangel: Punkt im Grundriss, Foto, verantwortliche Firma und Frist zur Abhilfe. Die Firma sieht den Vorgang sofort, meldet die Erledigung zurück, und Sie prüfen nach. Läuft die Frist ab, haben Sie Verstoß, Aufforderung und Datum lückenlos beisammen, etwa für eine Ersatzvornahme bei liegengebliebenem Abfall. Den Tag selbst halten Sie im Bautagebuch fest.

Typische Fehler bei der Baustellenordnung

  • Nicht Vertragsbestandteil: Die Ordnung wird erst auf der Baustelle verteilt; Kostenumlagen sind dann nicht durchsetzbar.
  • Zu allgemein: „Ordnung halten“ ohne Zuständigkeit, Frist und Folge.
  • Kein Lageplan: Lagerflächen und Zufahrten sind nicht eindeutig zugeordnet.
  • Widerspruch zum SiGe-Plan oder zur Brandschutzordnung.
  • Keine Empfangsbestätigung der Firmen und Nachunternehmer.
  • Verstöße nicht dokumentiert: Ohne Foto und Datum lässt sich eine Ersatzvornahme kaum abrechnen.
ℹ️ Muster, im Einzelfall prüfen
Das Muster ist an Ihre Baustelle, örtliche Vorgaben (z. B. Lärmschutz, Sondernutzung öffentlicher Flächen) und Ihre Bauverträge anzupassen. Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung.
BauDock für Ihre Rolle
🦺 Software für Bauleiter →🏢 Software für Bauträger →🔨 Software für Handwerker →
Quellen
Fragen & Antworten

Häufige Fragen

Was ist eine Baustellenordnung?

Eine Baustellenordnung ist ein Regelwerk für alle Firmen und Personen auf einer Baustelle. Sie legt Arbeitszeiten, Zugang, Anlieferung, Lagerung, Ordnung, Entsorgung, Arbeitsschutz und die Folgen von Verstößen fest.

Ist eine Baustellenordnung Pflicht?

Ein bestimmtes Formular schreibt kein Gesetz vor. Der Auftraggeber muss aber nach § 4 Abs. 1 Nr. 1 VOB/B für die allgemeine Ordnung sorgen und das Zusammenwirken der Firmen regeln. Die Baustellenordnung ist dafür das übliche Mittel.

Wer erstellt die Baustellenordnung?

In der Regel der Auftraggeber oder die von ihm beauftragte Bauleitung. Beim Bauträgerprojekt übernimmt das meist die Bauleitung des Bauträgers oder ein Generalunternehmer.

Wie wird die Baustellenordnung verbindlich?

Indem sie Bestandteil der Ausschreibung und des Bauvertrags wird. Zusätzlich sollte jede Firma den Empfang vor Arbeitsbeginn schriftlich bestätigen.

Was ist der Unterschied zwischen Baustellenordnung und SiGe-Plan?

Der SiGe-Plan nach Baustellenverordnung regelt den Arbeitsschutz bei mehreren Arbeitgebern und gefährlichen Arbeiten. Die Baustellenordnung regelt die allgemeine Ordnung und Zusammenarbeit. Beide ergänzen sich.

Dürfen Kosten bei Verstößen weiterberechnet werden?

Ja, wenn der Bauvertrag das vorsieht und die Firma vorher erfolglos zur Abhilfe aufgefordert wurde. Dokumentieren Sie Verstoß, Aufforderung und Kosten sorgfältig.