Um einen Bauzeitenplan zu erstellen, zerlegen Sie das Bauvorhaben in Vorgänge je Gewerk, schätzen deren Dauer in Arbeitstagen, verknüpfen sie über Abhängigkeiten und legen Meilensteine fest. Daraus ergeben sich der kritische Weg und die Puffer. Dieser Artikel erklärt die wichtigsten Begriffe, zeigt eine typische Gewerkereihenfolge im Wohnungsbau als Beispiel und ordnet ein, wann Termine nach VOB/B verbindlich sind.
- Ein Bauzeitenplan (Terminplan Bau) zeigt Vorgänge, Dauern, Abhängigkeiten und Meilensteine – meist als Balkenplan (Gantt).
- Der kritische Weg ist die Kette von Vorgängen ohne Puffer: Jede Verzögerung dort verschiebt den Fertigstellungstermin.
- Rechnen Sie in Arbeitstagen und berücksichtigen Sie Feiertage, Schlechtwetter und Trocknungszeiten, etwa beim Estrich.
- Nach § 5 Abs. 1 VOB/B gelten Einzelfristen aus einem Bauzeitenplan nur dann als Vertragsfristen, wenn das im Vertrag ausdrücklich vereinbart ist.
- Ein Bauzeitenplan ist nie fertig: Er wird fortgeschrieben, mit dem Ist-Stand verglichen, und Behinderungen werden dokumentiert.
Bauzeitenplan erstellen in sechs Schritten
- Eckdaten sammeln: Baubeginn, Fertigstellungstermin, Vertragsfristen und Meilensteine aus Bauvertrag und Nachunternehmerverträgen zusammentragen.
- Projekt gliedern: Bauabschnitte, Geschosse und Gewerke festlegen – diese Struktur trägt später den gesamten Terminplan.
- Vorgänge und Dauern festlegen: je Gewerk und Abschnitt einen Vorgang anlegen und die Dauer in Arbeitstagen mit den ausführenden Firmen abstimmen.
- Abhängigkeiten verknüpfen: Reihenfolge über Anordnungsbeziehungen und Zeitabstände (Trocknung, Überlappung) abbilden.
- Kritischen Weg und Puffer prüfen: Engpässe erkennen, Lieferzeiten und Winterreserve einplanen, Puffer bewusst setzen.
- Basisplan festschreiben und fortschreiben: den abgestimmten Stand an alle Firmen geben und regelmäßig mit dem Ist-Stand vergleichen.
Die einzelnen Schritte erläutern die folgenden Abschnitte. Wie sich Bauablaufplan, Bauzeitenplan und Terminplan voneinander abgrenzen, beschreibt der Artikel Bauablaufplan, Bauzeitenplan und Terminplan.
Begriffe: Vom Rahmenterminplan bis zum kritischen Weg
Wer einen Bauzeitenplan erstellt, arbeitet in mehreren Detailstufen. Die folgenden Begriffe begegnen Ihnen in Verträgen, Besprechungen und Planungsprogrammen:
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| Rahmenterminplan | Grobe Übersicht über das gesamte Projekt: Planung, Genehmigung, Bau, Übergabe. Wenige Eckdaten, meist auf Monatsebene. |
| Grobterminplan | Bauphasen und Hauptgewerke mit Dauern in Wochen, z. B. Rohbau, Ausbau, Außenanlagen. |
| Detailterminplan | Einzelne Vorgänge je Gewerk, Geschoss oder Bauabschnitt mit Dauern in Arbeitstagen; Grundlage für die Steuerung der Firmen. |
| Balkenplan (Gantt-Diagramm) | Vorgänge als Balken auf einer Zeitachse. Anschaulich und auf Baustellen am weitesten verbreitet. |
| Netzplan | Darstellung der Vorgänge mit ihren logischen Abhängigkeiten; dient zur Berechnung von frühesten/spätesten Terminen und Puffern. |
| Kritischer Weg | Folge von Vorgängen ohne Puffer. Verzögert sich ein Vorgang darauf, verschiebt sich das Projektende. |
| Puffer | Zeit, um die ein Vorgang verschoben werden kann, ohne den Nachfolger (freier Puffer) oder das Projektende (Gesamtpuffer) zu gefährden. |
| Meilenstein | Ereignis ohne Dauer, z. B. „Rohbau fertig“, „Gebäude dicht“, „Übergabe“. Oft mit Zahlungen oder Vertragsfristen verbunden. |
Auch die HOAI kennt den Terminplan: In der Leistungsphase 8 der Objektplanung Gebäude gehört das „Aufstellen, Fortschreiben und Überwachen eines Terminplans (Balkendiagramm)“ zu den Grundleistungen; in der Leistungsphase 5 wird der Terminplan fortgeschrieben.
Abhängigkeiten richtig setzen
Erst die Verknüpfung der Vorgänge macht aus einer Liste einen belastbaren Plan. Verschiebt sich ein Vorgang, rücken die abhängigen Vorgänge automatisch mit. Es gibt vier Anordnungsbeziehungen:
| Beziehung | Bedeutung | Beispiel |
|---|---|---|
| Ende-Anfang (EA) | Nachfolger beginnt, wenn der Vorgänger endet. Der Normalfall. | Estrich verlegen → nach Trocknung Fliesen |
| Anfang-Anfang (AA) | Nachfolger beginnt mit oder nach dem Start des Vorgängers. | Elektro-Rohinstallation startet 2 Tage nach Beginn der Sanitär-Rohinstallation |
| Ende-Ende (EE) | Nachfolger endet mit oder nach dem Ende des Vorgängers. | Gerüstabbau endet nach Abschluss der Fassadenarbeiten |
| Anfang-Ende (AE) | Nachfolger endet, wenn der Vorgänger beginnt. In der Praxis selten. | Provisorische Baustromversorgung bis Beginn des Hausanschlusses |
Mit Zeitabständen (positiv als Wartezeit, negativ als Überlappung) bilden Sie Trocknungszeiten oder geschossweises Nachrücken ab. Bei mehrgeschossigen Gebäuden lohnt es sich, Ausbaugewerke je Geschoss oder Bauabschnitt zu takten, statt das ganze Haus als einen Vorgang zu planen.
Bauzeitenplan Beispiel: Gewerkereihenfolge im Wohnungsbau
Die folgende Tabelle zeigt eine typische Abfolge für ein Mehrfamilienhaus in Massivbauweise. Die Dauern sind Beispielwerte zur Orientierung – tatsächliche Dauern hängen von Größe, Bauweise, Personaleinsatz und Jahreszeit ab und müssen mit den ausführenden Firmen abgestimmt werden.
| Nr. | Vorgang | Vorgänger | Beispieldauer |
|---|---|---|---|
| 1 | Baustelleneinrichtung, Erdarbeiten | – | 2–3 Wochen |
| 2 | Rohbau (Gründung, Wände, Decken, Treppen) | 1 | 3–5 Monate |
| 3 | Dachstuhl und Dacheindeckung/Abdichtung | 2 | 3–5 Wochen |
| 4 | Fenster und Außentüren (Meilenstein: Gebäude dicht) | 3 | 2–3 Wochen |
| 5 | Rohinstallation Heizung, Lüftung, Sanitär (HLS) | 4 | 3–5 Wochen |
| 6 | Rohinstallation Elektro | 4 (AA mit 5) | 3–4 Wochen |
| 7 | Innenputz | 5, 6 | 3–4 Wochen |
| 8 | Estrich einbringen | 7 | 1–2 Wochen |
| 9 | Estrich-Trocknung bis Belegreife | 8 | mehrere Wochen, Messung erforderlich |
| 10 | Trockenbau und Fliesen | 9 | 4–6 Wochen |
| 11 | Feininstallation HLS und Elektro | 10 | 2–3 Wochen |
| 12 | Malerarbeiten | 10 | 2–4 Wochen |
| 13 | Bodenbeläge, Innentüren | 12 | 2–3 Wochen |
| 14 | Fassade (parallel zum Ausbau) | 4 | 6–10 Wochen |
| 15 | Außenanlagen | 14 | 3–6 Wochen |
| 16 | Endreinigung, Abnahme, Übergabe (Meilenstein) | 11, 13, 15 | 1–2 Wochen |
Arbeitstage, Feiertage und Schlechtwetter
Bauzeitenpläne werden üblicherweise in Arbeitstagen geplant (meist Montag bis Freitag). Verträge und die VOB/B rechnen dagegen teils in Werktagen (Montag bis Samstag) oder in Kalendertagen. So muss der Auftragnehmer nach § 5 Abs. 2 VOB/B innerhalb von 12 Werktagen nach Aufforderung beginnen, wenn kein Beginn vereinbart ist; bei einer nach Tagen bemessenen Vertragsstrafe zählen nach § 11 Abs. 3 VOB/B nur Werktage. Prüfen Sie deshalb, in welcher Einheit Ihre Vertragsfristen stehen, und rechnen Sie sauber um. Beim Umrechnen hilft der Arbeitstage-Rechner, der die Feiertage je Bundesland berücksichtigt.
- Feiertage des jeweiligen Bundeslandes im Kalender des Plans hinterlegen.
- Betriebsferien (z. B. Weihnachten bis Neujahr) und Brückentage berücksichtigen.
- Schlechtwetter einplanen: Witterungseinflüsse, mit denen bei Angebotsabgabe normalerweise gerechnet werden musste, gelten nach § 6 Abs. 2 Nr. 2 VOB/B nicht als Behinderung. Witterungsabhängige Arbeiten im Winter brauchen daher realistische Dauern oder Reserven.
- Trocknungs- und Wartezeiten (Putz, Estrich, Beton) als eigene Vorgänge oder Zeitabstände abbilden.
Vertragsfristen nach VOB/B § 5: Was ist verbindlich?
Nach § 5 Abs. 1 VOB/B ist die Ausführung nach den verbindlichen Fristen (Vertragsfristen) zu beginnen, angemessen zu fördern und zu vollenden. Einzelfristen aus einem Bauzeitenplan gelten nur dann als Vertragsfristen, wenn dies im Vertrag ausdrücklich vereinbart ist. Ein beigefügter Bauzeitenplan allein macht Zwischentermine also nicht automatisch verbindlich.
- Beginn anzeigen: Der Beginn der Ausführung ist dem Auftraggeber anzuzeigen (§ 5 Abs. 2 VOB/B).
- Ausreichende Ressourcen: Reichen Arbeitskräfte, Geräte, Gerüste, Stoffe oder Bauteile offenbar nicht aus, um die Fristen einzuhalten, muss der Auftragnehmer auf Verlangen unverzüglich Abhilfe schaffen (§ 5 Abs. 3 VOB/B).
- Verzug: Bei Verzögerung des Beginns oder Verzug mit der Vollendung kann der Auftraggeber nach § 5 Abs. 4 VOB/B Schadensersatz verlangen oder eine angemessene Frist mit Kündigungsandrohung setzen.
Fortschreibung, Soll-Ist-Vergleich und Behinderungen
Ein Terminplan Bau ist ein Steuerungsinstrument. Legen Sie den vereinbarten Stand als Basisplan (Soll) fest und tragen Sie regelmäßig – etwa wöchentlich nach der Baubesprechung – den tatsächlichen Fortschritt ein. Der Vergleich zeigt früh, wo der kritische Weg in Gefahr ist und welche Gegenmaßnahmen nötig sind: mehr Personal, geänderte Reihenfolge, Taktung nach Geschossen.
Verzögerungen müssen nachvollziehbar belegt sein. Das tägliche Bautagebuch hält Ursachen und Folgen fest, die förmliche Anzeige an den Vertragspartner erklärt der Artikel Bedenkenanzeige und Behinderungsanzeige. Nach § 6 Abs. 4 VOB/B bemisst sich eine Fristverlängerung nach der Dauer der Behinderung mit einem Zuschlag für die Wiederaufnahme der Arbeiten und eine etwaige Verschiebung in eine ungünstigere Jahreszeit – ein fortgeschriebener Bauzeitenplan macht diese Auswirkungen sichtbar.
Excel, MS Project oder Bausoftware?
| Werkzeug | Stärken | Grenzen |
|---|---|---|
| Excel / Tabellenkalkulation | Überall vorhanden, schnell für einfache Balkenpläne und Vorlagen | Keine echten Abhängigkeiten, Verschiebungen von Hand, schnell unübersichtlich |
| MS Project und ähnliche Planungsprogramme | Abhängigkeiten, kritischer Weg, Basisplan, Ressourcen | Lizenzen und Einarbeitung nötig, Firmen auf der Baustelle sehen den Plan meist nur als Ausdruck |
| Bausoftware mit Terminplan | Plan direkt mit Projekt, Firmen, Bautagebuch und Mängeln verbunden; für Beteiligte abrufbar | Funktionsumfang je nach Anbieter unterschiedlich; Import bestehender Pläne prüfen |
Bauzeitenplan Vorlage: Checkliste zum Erstellen
Eine fertige Bauzeitenplan Vorlage als Excel-Datei mit Gewerkezeilen und Balkenraster steht kostenlos zum Herunterladen bereit. Die folgende Checkliste hilft, beim Ausfüllen nichts zu vergessen:
