Bauablaufplan, Bauzeitenplan und Terminplan meinen im Kern dasselbe Werkzeug, betonen aber Unterschiedliches: Der Terminplan ist der Oberbegriff für jede zeitliche Planung eines Projekts, der Bauzeitenplan zeigt die Termine der Bauausführung, und der Bauablaufplan beschreibt zusätzlich die Reihenfolge und Abhängigkeiten der Arbeiten. Wichtiger als der Name ist die Planungsebene: vom groben Rahmenterminplan des Bauherrn bis zum Detailterminplan der Bauleitung. Dieser Artikel ordnet die Begriffe, zeigt die Ebenen der Terminplanung am Bau, vergleicht Balkenplan, Netzplan und Taktplan und nennt typische Fehler.
- Terminplan ist der Oberbegriff; Bauzeitenplan und Bauablaufplan sind Terminpläne für die Bauausführung, wobei der Bauablaufplan die Logik der Reihenfolge stärker betont.
- Terminplanung am Bau erfolgt in Ebenen: Rahmenterminplan, Generalterminplan, Grobterminplan, Detailterminplan.
- Häufigste Darstellung ist der Balkenplan (Gantt-Diagramm); Netzpläne zeigen Abhängigkeiten und den kritischen Weg, Taktpläne eignen sich für Wiederholungen.
- Nach HOAI erstellt der Architekt ab der Vorplanung einen Terminplan und schreibt ihn bis zur Objektüberwachung fort; in LPH 8 als Balkendiagramm.
- Ein Terminplan ist nur so gut wie seine Fortschreibung: Ist-Stand, Behinderungen und Änderungen müssen regelmäßig eingepflegt werden.
Bauablaufplan, Bauzeitenplan, Terminplan: Begriffe
Für die drei Begriffe gibt es keine verbindliche gesetzliche Definition. In Verträgen, Normen und Fachliteratur werden sie teils gleich, teils unterschiedlich verwendet. Die folgende Abgrenzung entspricht dem üblichen Sprachgebrauch in der Praxis.
| Begriff | Schwerpunkt | Typischer Ersteller |
|---|---|---|
| Terminplan | Oberbegriff für jede zeitliche Planung: Planung, Genehmigung, Vergabe, Ausführung, Übergabe | Projektsteuerung, Architekt, Bauträger |
| Bauzeitenplan | Termine der Bauausführung: wann welches Gewerk wo arbeitet, Beginn, Dauer, Ende, Meilensteine | Architekt (Objektüberwachung), Bauleitung |
| Bauablaufplan | Reihenfolge und Abhängigkeiten der Arbeiten, Bauabschnitte, Ressourcen; Grundlage für den Bauzeitenplan | Bauleitung des Unternehmers, Arbeitsvorbereitung |
| Rahmenterminplan | Grobe Meilensteine des Gesamtprojekts | Bauherr, Projektentwicklung |
Im Bauvertrag ist vor allem wichtig, welche Termine verbindliche Vertragsfristen sind. Nach § 5 Abs. 1 VOB/B gelten Einzelfristen in einem Bauzeitenplan nur dann als Vertragsfristen, wenn das im Vertrag ausdrücklich vereinbart ist. Ohne diese Vereinbarung sind sie unverbindliche Kontrollfristen. Eine Kurzerklärung finden Sie im Lexikon unter Bauablaufplan.
Ebenen der Terminplanung am Bau
Gute Terminplanung arbeitet von grob nach fein. Jede Ebene verfeinert die darüberliegende, ohne ihr zu widersprechen.
| Ebene | Inhalt | Zeitpunkt | Detaillierung |
|---|---|---|---|
| Rahmenterminplan | Meilensteine: Grundstück, Baugenehmigung, Baubeginn, Fertigstellung, Übergabe | Projektentwicklung, Bedarfsplanung | Monate, wenige Vorgänge |
| Generalterminplan | Alle Projektphasen von Planung bis Übergabe mit groben Abhängigkeiten | Vorplanung | Wochen bis Monate |
| Grobterminplan | Ausführung nach Gewerken und Bauabschnitten | Entwurf bis Vergabe | Wochen |
| Detailterminplan | Einzelne Arbeitsschritte je Gewerk, Geschoss oder Wohnung | Vor und während der Ausführung | Tage |
| Steuerungsplan (Wochen- oder Kurzfristplanung) | Arbeiten der nächsten ein bis drei Wochen mit Verantwortlichen | Laufend auf der Baustelle | Tage |
Bauablaufplanung: Reihenfolge und Abhängigkeiten
Die Bauablaufplanung beantwortet die Frage, in welcher Reihenfolge die Arbeiten technisch und wirtschaftlich sinnvoll sind. Sie berücksichtigt technische Zwänge (Estrich braucht Trocknungszeit, Putz kommt vor Estrich), Ressourcen (Kran, Kolonnen), Bauabschnitte und Lieferzeiten.
- Ende-Anfang-Beziehung: B beginnt, wenn A fertig ist (zum Beispiel Rohbau vor Dach).
- Anfang-Anfang-Beziehung: B beginnt eine bestimmte Zeit nach dem Start von A (zum Beispiel Elektro-Rohinstallation zwei Tage nach Beginn Trockenbau).
- Ende-Ende-Beziehung: B endet erst, wenn A beendet ist.
- Pufferzeiten: Spielräume, um die ein Vorgang sich verschieben darf, ohne den Endtermin zu gefährden.
- Kritischer Weg: die Kette von Vorgängen ohne Puffer; jede Verzögerung hier verschiebt das Projektende.
Darstellungsformen: Balkenplan, Netzplan, Taktplan
| Form | Stärke | Schwäche | Geeignet für |
|---|---|---|---|
| Balkenplan (Gantt) | Sofort verständlich, für alle Beteiligten lesbar | Abhängigkeiten nur mit Verknüpfungspfeilen sichtbar | Bauzeitenplan, Abstimmung mit Firmen und Bauherr |
| Netzplan | Abhängigkeiten, Puffer und kritischer Weg exakt berechenbar | Für Baustellenpersonal schwer lesbar | Große, komplexe Projekte, Störungsanalyse |
| Weg-Zeit-Diagramm (Linienplan) | Zeigt Fortschritt entlang einer Strecke | Für Hochbau wenig anschaulich | Straßen-, Leitungs- und Tunnelbau |
| Taktplan | Wiederholende Abläufe je Takt (Geschoss, Wohnung) mit festem Rhythmus | Erfordert gut planbare, gleichartige Einheiten | Wohnungsbau, Ausbau, Lean Construction |
In der Praxis wird der Netzplan meist im Hintergrund berechnet und als Balkenplan mit Verknüpfungen dargestellt. Programme wie MS Project arbeiten genau so. Zur Taktplanung lesen Sie mehr im Artikel Lean Construction am Bau.
Terminplan nach HOAI: wer schuldet was?
Für Architekten zieht sich die Terminplanung durch mehrere Leistungsphasen der Anlage 10.1 HOAI (Gebäude und Innenräume):
- LPH 2 Vorplanung: Erstellen eines Terminplans mit den wesentlichen Vorgängen des Planungs- und Bauablaufs.
- LPH 3 Entwurfsplanung: Fortschreiben des Terminplans.
- LPH 5 Ausführungsplanung: Fortschreiben des Terminplans.
- LPH 6 Vorbereitung der Vergabe: Aufstellen eines Vergabeterminplans.
- LPH 8 Objektüberwachung: Aufstellen, Fortschreiben und Überwachen eines Terminplans (Balkendiagramm), siehe Objektüberwachung in LPH 8.
Die ausführenden Firmen wiederum planen ihren eigenen Ablauf. Sie müssen ihre Arbeiten nach § 5 Abs. 1 VOB/B innerhalb der Vertragsfristen beginnen, angemessen fördern und vollenden. Reichen Arbeitskräfte, Geräte oder Material offenbar nicht aus, um die Fristen einzuhalten, müssen sie auf Verlangen unverzüglich Abhilfe schaffen (§ 5 Abs. 3 VOB/B). Für Bauträger ist der Terminplan zusätzlich die Grundlage für Fertigstellungstermine gegenüber den Käufern und für die Abrufe der Raten.
Rahmenterminplan erstellen: Beispiel Mehrfamilienhaus
| Meilenstein | Zeitpunkt | Dauer ab Vorphase |
|---|---|---|
| Bauantrag eingereicht | Monat 0 | – |
| Baugenehmigung | Monat 4 | je nach Behörde 3 bis 6 Monate |
| Vergabe Rohbau | Monat 5 | 1 Monat |
| Baubeginn | Monat 6 | 1 Monat |
| Rohbau fertig | Monat 12 | 6 Monate |
| Gebäude dicht (Dach, Fenster) | Monat 14 | 2 Monate |
| Ausbau und Technik fertig | Monat 21 | 7 Monate |
| Abnahme und Übergabe | Monat 22 | 1 Monat |
Die Dauern sind Beispielwerte und hängen stark von Größe, Bauweise, Witterung und Kapazitäten ab. Für die Feinplanung nutzen Sie die Bauzeitenplan-Vorlage. Arbeitstage zwischen zwei Terminen ermittelt der Arbeitstage-Rechner.
Terminplanung Bau: Schritt für Schritt
- Vorgänge sammeln: alle Gewerke und Arbeitsschritte, gegliedert nach Bauabschnitten.
- Dauern schätzen: aus Mengen und Leistungswerten oder Erfahrungswerten; mit den Firmen abstimmen.
- Abhängigkeiten festlegen: technische und organisatorische Folgen verknüpfen.
- Meilensteine setzen: Rohbau fertig, Gebäude dicht, Übergabe.
- Puffer einplanen: für Witterung, Lieferzeiten und Abnahmen, sichtbar und nicht versteckt.
- Abstimmen und verteilen: mit allen Firmen besprechen, Vertragsfristen festlegen.
- Fortschreiben: wöchentlich Ist-Stand eintragen, Abweichungen bewerten, Gegenmaßnahmen festlegen.
Terminplanung beim Bauträger: Besonderheiten
Bauträger haben neben der Baustelle weitere Termine im Blick, die eng mit dem Bauablauf verknüpft sind. Im Bauträgervertrag ist ein Fertigstellungstermin für die Käufer vereinbart; Verzögerungen können Ansprüche der Käufer auslösen. Die Raten nach dem MaBV-Zahlungsplan werden erst fällig, wenn der jeweilige Bautenstand erreicht ist. Und Sonderwünsche beim Bauträger müssen so rechtzeitig feststehen, dass sie den Ausbau nicht aufhalten.
- Meilensteine an Ratenabschnitte koppeln: Rohbau, Dach, Rohinstallation, Estrich, Fenster, Bezugsfertigkeit.
- Fristen für Sonderwünsche aus dem Bauzeitenplan rückwärts ableiten und den Käufern rechtzeitig mitteilen.
- Puffer zum Käufertermin einplanen, weil Abnahme, Mängelbeseitigung und Übergabe Zeit brauchen.
- Fortschritt regelmäßig berichten: Käufer und Finanzierer erwarten belastbare Aussagen zum Stand.
Typische Fehler im Bauzeitenplan
- Zu detailliert zu früh: ein Detailplan mit 800 Vorgängen in der Entwurfsphase wird nie gepflegt.
- Keine Verknüpfungen: Balken ohne Abhängigkeiten verschieben sich nicht mit, wenn sich etwas ändert.
- Trocknungs- und Wartezeiten vergessen: Estrich, Putz, Beton und Abnahmen brauchen Zeit.
- Lieferzeiten übersehen: Fenster, Aufzüge oder Wärmepumpen haben teils monatelange Vorlaufzeiten.
- Plan nicht mit Firmen abgestimmt: Termine, die die Firma nie bestätigt hat, sind schwer durchsetzbar.
- Keine Fortschreibung: der Plan vom Baubeginn hängt noch im Container, die Baustelle ist längst anders.
- Vertragsfristen unklar: im Vertrag steht nicht, welche Termine verbindlich sind.
Wie Sie einen Bauzeitenplan im Detail aufbauen, zeigt der Artikel Bauzeitenplan erstellen.
