Lean Construction ist ein Managementansatz für Planung und Bau, der Verschwendung vermeidet und einen stabilen Arbeitsfluss anstrebt. Er überträgt Prinzipien der schlanken Produktion auf Bauprojekte; bekannte Methoden sind das Last Planner System und die Taktplanung.
Grundprinzipien von Lean Construction
Lean Construction stammt aus dem Lean Management, das aus dem Produktionssystem von Toyota hervorgegangen ist. Auf den Bau übertragen geht es darum, den Wert für den Bauherrn in den Mittelpunkt zu stellen und alles zu reduzieren, was keinen Wert schafft: Warten, Suchen, Nacharbeit, unnötige Wege und Zwischenlager. In Deutschland beschreibt die VDI-Richtlinie 2553 „Lean Construction“ Begriffe und Methoden.
| Art | Beispiel |
|---|---|
| Warten | Kolonne wartet auf Pläne, Material oder Vorleistung |
| Nacharbeit | Mängelbeseitigung, Rückbau falsch ausgeführter Leistungen |
| Transport und Wege | Material wird mehrfach umgelagert, lange Wege zum Lager |
| Bestände | Zu früh gelieferte Bauteile blockieren Flächen |
| Suchen | Aktueller Planstand oder Werkzeug nicht auffindbar |
| Überproduktion | Leistungen vor dem Bedarf erbracht, später beschädigt |
Last Planner System
Das Last Planner System wurde von Glenn Ballard und Greg Howell entwickelt. Der Name meint die „letzten Planer“: die Poliere und Vorarbeiter, die tatsächlich festlegen, welche Arbeit morgen gemacht wird. Statt eines starren Terminplans von oben planen die ausführenden Firmen gemeinsam in mehreren Ebenen:
- Rahmenterminplan mit Meilensteinen
- Phasenplanung rückwärts vom Meilenstein, gemeinsam mit allen Gewerken
- Vorschauplanung über einige Wochen: Hindernisse erkennen und beseitigen (Pläne, Material, Vorleistung)
- Wochenplanung: verbindliche Zusagen, nur für Arbeiten ohne Hindernisse
- Lernen: Kennzahl PPC (Percent Plan Complete), also der Anteil erledigter Zusagen, und Gründe für Abweichungen
Taktplanung und Taktsteuerung
Bei der Taktplanung wird das Bauwerk in gleich große Taktbereiche geteilt, etwa Geschosse oder Wohnungsgruppen. Jedes Gewerk arbeitet einen Bereich in einer festen Taktzeit ab und zieht dann weiter, das nächste Gewerk folgt. Das eignet sich besonders für den Ausbau mit vielen Wiederholungen, zum Beispiel im Wohnungsbau.
| Woche | Bereich 1 | Bereich 2 | Bereich 3 |
|---|---|---|---|
| 1 | Trockenbau | – | – |
| 2 | Elektro und Sanitär Rohinstallation | Trockenbau | – |
| 3 | Estrich | Elektro und Sanitär Rohinstallation | Trockenbau |
| 4 | Trocknung | Estrich | Elektro und Sanitär Rohinstallation |
Die Taktsteuerung prüft täglich oder wöchentlich, ob der Takt gehalten wird, und löst Probleme sofort. Grundlage ist ein guter Bauablaufplan mit realistischen Dauern; Trocknungszeiten und Lieferfristen müssen eingeplant sein.
Lean Construction einführen: so fangen Sie an
- Mit einem Pilotprojekt oder einem Bauabschnitt beginnen, nicht mit dem ganzen Unternehmen.
- Poliere und Nachunternehmer von Anfang an einbeziehen; Lean funktioniert nur gemeinsam.
- Eine kurze, feste Besprechung pro Woche mit verbindlichen Zusagen einführen.
- Hindernisse sichtbar machen: fehlende Pläne, Freigaben und Material.
- Abweichungen dokumentieren und auswerten, statt Schuldige zu suchen.
Eine praxisnahe Vertiefung bietet der Artikel Lean Construction am Bau.
Lean Construction ergänzt die klassische Terminplanung, ersetzt sie aber nicht. Wie Bauzeitenplan, Bauablaufplan und Terminplan zusammenhängen, erläutert der Artikel Bauablaufplan, Bauzeitenplan und Terminplan; eine Übersicht über die beteiligten Gewerke in Bauablauf-Reihenfolge bietet die Gewerke-Liste.