Ein Gewerk ist ein abgegrenzter Leistungsbereich am Bau, den in der Regel ein Fachbetrieb ausführt, etwa Erdarbeiten, Maurerarbeiten oder Elektroinstallation. Die Gewerke am Bau lassen sich grob in Rohbau, Ausbau, technische Gebäudeausrüstung (TGA) und Außenanlagen gliedern; für viele gibt es eine eigene Norm in der VOB Teil C.
Was ist ein Gewerk?
Der Begriff Gewerk stammt aus dem Handwerk und bezeichnet heute vor allem eine Einheit für Ausschreibung, Vergabe und Abrechnung. Jedes Gewerk erhält meist ein eigenes Leistungsverzeichnis und einen eigenen Vertrag. Die VOB Teil C fasst die technischen Vertragsbedingungen je Gewerk in Normen zusammen, beginnend mit der DIN 18299 als allgemeiner Regel für Bauarbeiten jeder Art.
Gewerke am Bau: Liste in Bauablauf-Reihenfolge
Die folgende Gewerkeliste folgt dem typischen Ablauf eines Hochbaus (Wohn- oder Geschäftshaus). Im Einzelfall überschneiden sich Gewerke zeitlich stark, etwa TGA-Rohinstallation und Trockenbau. Die Reihenfolge ist eine Orientierung für Bauablaufplan und Vergabe, keine feste Regel.
| Phase | Gewerk | VOB/C (ATV) |
|---|---|---|
| Vorbereitung | Abbruch- und Rückbauarbeiten | DIN 18459 |
| Vorbereitung | Baustelleneinrichtung | Nebenleistung (DIN 18299) bzw. eigene Position |
| Rohbau | Erdarbeiten | DIN 18300 |
| Rohbau | Verbauarbeiten, Wasserhaltung | DIN 18303, DIN 18305 |
| Rohbau | Entwässerungskanalarbeiten | DIN 18306 |
| Rohbau | Betonarbeiten | DIN 18331 |
| Rohbau | Mauerarbeiten | DIN 18330 |
| Rohbau | Abdichtungsarbeiten | DIN 18336 |
| Rohbau | Gerüstarbeiten | DIN 18451 |
| Rohbau / Hülle | Zimmer- und Holzbauarbeiten | DIN 18334 |
| Rohbau / Hülle | Dachdeckungs- und Dachabdichtungsarbeiten | DIN 18338 |
| Rohbau / Hülle | Klempnerarbeiten | DIN 18339 |
| Hülle | Fenster (Tischler- bzw. Metallbauarbeiten), Verglasung | DIN 18355, DIN 18360, DIN 18361 |
| TGA (Rohinstallation) | Heizanlagen und zentrale Wassererwärmung | DIN 18380 |
| TGA (Rohinstallation) | Gas-, Wasser- und Entwässerungsanlagen in Gebäuden (Sanitär) | DIN 18381 |
| TGA (Rohinstallation) | Raumlufttechnische Anlagen (Lüftung) | DIN 18379 |
| TGA (Rohinstallation) | Elektro: Nieder- und Mittelspannungsanlagen | DIN 18382 |
| Ausbau | Putz- und Stuckarbeiten | DIN 18350 |
| Ausbau | Trockenbauarbeiten | DIN 18340 |
| Ausbau | Estricharbeiten | DIN 18353 |
| Fassade | Wärmedämm-Verbundsysteme bzw. vorgehängte hinterlüftete Fassaden | DIN 18345, DIN 18351 |
| Ausbau | Fliesen- und Plattenarbeiten | DIN 18352 |
| Ausbau | Maler- und Lackierarbeiten | DIN 18363 |
| Ausbau | Bodenbelagarbeiten, Parkettarbeiten | DIN 18365, DIN 18356 |
| Ausbau | Tischlerarbeiten (Innentüren), Beschlagarbeiten | DIN 18355, DIN 18357 |
| TGA (Fertigmontage) | Sanitär-, Heizungs- und Elektro-Endmontage, Aufzug | DIN 18381, 18380, 18382, 18385 |
| Außenanlagen | Pflasterdecken und Plattenbeläge | DIN 18318 |
| Außenanlagen | Landschaftsbauarbeiten | DIN 18320 |
Gewerke im Rohbau, Ausbau und in der TGA
Rohbaugewerke
Zum Rohbau zählen alle Gewerke, die das Tragwerk und die Gebäudehülle im Rohzustand herstellen: Erd-, Beton-, Maurer- und Zimmererarbeiten, dazu Abdichtung und Dach. Mit dem dichten Dach und eingebauten Fenstern ist das Gebäude „wetterdicht“ – ein wichtiger Meilenstein für den Ausbau.
Ausbaugewerke
Der Ausbau umfasst Putz, Trockenbau, Estrich, Fliesen, Maler, Bodenbeläge und Innentüren. Hier treffen viele Firmen auf engem Raum aufeinander; Schnittstellen und Trocknungszeiten (etwa beim Estrich) bestimmen den Ablauf.
Technische Gebäudeausrüstung (TGA)
Heizung, Sanitär, Lüftung und Elektro werden in zwei Schritten ausgeführt: Rohinstallation vor Putz und Estrich, Fertigmontage nach Fliesen und Maler. In der Kostengliederung entsprechen die TGA-Gewerke der KG 400 nach DIN 276 (siehe Kostengruppen).
Typische Fehler bei der Gewerkeplanung
- Schnittstellen nicht definiert: Wer setzt Revisionsöffnungen, wer verschließt Durchbrüche, wer macht den Brandschutz an Leitungsdurchführungen?
- Trocknungszeiten vergessen: Estrich und Putz brauchen Zeit, bevor Bodenbeläge oder Maler folgen können.
- Zu viele Kleinlose ohne Koordination – das erhöht den Aufwand der Bauleitung erheblich.
- Gewerke in Ablaufplan und Leistungsverzeichnis unterschiedlich geschnitten, sodass Termine und Aufträge nicht zusammenpassen.