Baulexikon

Leistungsverzeichnis (LV) – einfach erklärt

Aktualisiert am 23. Oktober 2026 · Redaktion BauDock
Definition

Ein Leistungsverzeichnis (LV) ist die in Positionen gegliederte Beschreibung der Bauleistung, die ein Auftraggeber ausschreibt und die Bieter mit Einheitspreisen anbieten. Jede Position enthält Ordnungszahl, Leistungstext, Menge und Einheit; mit Einheitspreis und Gesamtbetrag wird daraus das Angebot.

Wozu dient ein Leistungsverzeichnis im Bau?

Das Leistungsverzeichnis macht Angebote vergleichbar: Alle Bieter kalkulieren dieselben Positionen mit denselben Mengen. Nach der Vergabe wird das LV Vertragsbestandteil. Es legt fest, was geschuldet ist, und bildet beim Einheitspreisvertrag die Grundlage der Abrechnung nach tatsächlich ausgeführten Mengen. Bei öffentlichen Aufträgen regelt § 7b VOB/A die Leistungsbeschreibung mit Leistungsverzeichnis: Sie besteht in der Regel aus einer allgemeinen Darstellung der Bauaufgabe (Baubeschreibung) und einem in Teilleistungen gegliederten LV. Daneben gibt es die funktionale Leistungsbeschreibung mit Leistungsprogramm (§ 7c VOB/A).

Aufbau eines Leistungsverzeichnisses

  1. Vorbemerkungen: allgemeine und technische Vorbemerkungen, Baustellenverhältnisse, Zufahrten, Lagerflächen, besondere Anforderungen.
  2. Gliederung in Lose, Titel und Untertitel, meist nach Gewerken oder Bauabschnitten.
  3. Positionen mit Ordnungszahl (OZ), Kurztext, Langtext, Menge und Einheit.
  4. Preisspalten für Einheitspreis (EP) und Gesamtbetrag (GB), dazu Summen je Titel und das Angebotsende.
Beispiel einer LV-Position
OZLeistungstext (gekürzt)MengeEinheitEPGB
02.01.0010Innenwandputz Kalk-Gips, einlagig, d = 15 mm, Q2, auf Mauerwerk840,00m²…………
02.01.0020Zulage zu Pos. 0010 für Eckschutzschienen120,00m…………

Positionsarten im LV

PositionsartBedeutung
NormalpositionWird ausgeführt und mit der angegebenen Menge kalkuliert.
Bedarfsposition (Eventualposition)Wird nur bei Bedarf ausgeführt; nach § 7 Abs. 1 Nr. 4 VOB/A bei öffentlichen Aufträgen grundsätzlich nicht aufzunehmen.
Wahlposition (Alternativposition)Statt einer Grundposition; der Auftraggeber entscheidet, welche ausgeführt wird.
ZulagepositionMehrpreis zu einer Grundposition, z. B. für Erschwernisse.
PauschalpositionLeistung zu einem Pauschalpreis, z. B. Baustelleneinrichtung.
StundenlohnpositionAngehängte Stundenlohnarbeiten, nur im unbedingt erforderlichen Umfang.

Standardleistungsbuch (STLB-Bau) und GAEB

Damit Leistungstexte einheitlich und vollständig sind, nutzen viele Planer das Standardleistungsbuch für das Bauwesen (STLB-Bau). Es liefert normgerechte, auf die VOB/C abgestimmte Textbausteine je Leistungsbereich. Ausgetauscht wird das LV in der Regel elektronisch im GAEB-Format (GAEB DA XML): X83 für die Angebotsaufforderung, X84 für die Angebotsabgabe, X86 für den Auftrag. So lassen sich Angebote ohne Abtippen in die Kalkulation übernehmen und auswerten. Mehr dazu im Artikel GAEB-Format.

Typische Fehler im Leistungsverzeichnis

  • Mengen geschätzt statt ermittelt: Große Mengenabweichungen führen beim VOB-Vertrag zu Preisanpassungen nach § 2 Abs. 3 VOB/B.
  • Unklare Leistungstexte: Mehrdeutigkeiten gehen oft zulasten des Ausschreibenden und enden als Nachtrag.
  • Fehlende Nebenleistungen und Besondere Leistungen: Was nach VOB/C eine Besondere Leistung ist, braucht eine eigene Position.
  • Zu viele Bedarfspositionen: Sie verzerren den Preisvergleich.
  • Vorbemerkungen widersprechen den Positionen: Dann ist die Auslegung im Streitfall offen.

Wie Sie ein LV Schritt für Schritt aufstellen, zeigt der Artikel Leistungsverzeichnis erstellen; eine Vorlage für das Leistungsverzeichnis gibt es zum Herunterladen.

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Quellen
Fragen & Antworten

Fragen zu Leistungsverzeichnis (LV)

Was ist ein Leistungsverzeichnis am Bau?

Die in Positionen gegliederte Beschreibung der Bauleistung mit Mengen und Einheiten. Bieter tragen Einheitspreise ein; nach Auftragserteilung wird das LV Vertragsbestandteil.

Wer erstellt das Leistungsverzeichnis?

Meist der Architekt oder Fachplaner im Rahmen der Leistungsphase 6 der HOAI (Vorbereitung der Vergabe). Bauträger und Generalunternehmer erstellen LVs auch selbst für die Vergabe an Nachunternehmer.

Was ist der Unterschied zwischen Leistungsverzeichnis und Leistungsbeschreibung?

Die Leistungsbeschreibung ist der Oberbegriff. Sie besteht aus Baubeschreibung und Leistungsverzeichnis oder, bei funktionaler Ausschreibung, aus einem Leistungsprogramm.

Was bedeutet GAEB beim LV?

GAEB ist der Standard für den elektronischen Austausch von Leistungsverzeichnissen. Die Dateien (z. B. X83, X84) lassen sich in Ausschreibungs- und Kalkulationsprogramme einlesen.

Was ist das Standardleistungsbuch?

Das STLB-Bau ist eine Sammlung standardisierter Leistungstexte, abgestimmt auf die VOB/C. Es sorgt für eindeutige und vollständige Positionen.