Praxis & Vorlagen

Leistungsverzeichnis erstellen: Aufbau, Beispiel und GAEB-Austausch – mit Vorlage zum Download

Aktualisiert am 23. Oktober 2026 · 9 Min. Lesezeit · Redaktion BauDock
Kostenlose Vorlage · ohne Anmeldung
Leistungsverzeichnis Vorlage (LV Muster) – kostenlos als Excel herunterladen

Ein Leistungsverzeichnis erstellen heißt, die geforderte Bauleistung in einzelne, nummerierte Positionen mit Kurztext, Langtext, Menge und Einheit zu zerlegen, sodass alle Bieter dasselbe verstehen und ihre Preise vergleichbar sind. Das LV ist der Kern der Leistungsbeschreibung nach § 7b VOB/A und später die Grundlage für Vertrag, Aufmaß und Abrechnung. Dieser Artikel zeigt den Aufbau eines LV am Bau, die Positionsarten, eine Beispielposition, die wichtigsten Regeln aus der VOB und den Austausch per GAEB-Datei.

Das Wichtigste in Kürze
  • Das Leistungsverzeichnis (LV) gliedert die Bauleistung in Positionen mit Ordnungszahl, Kurztext, Langtext, Menge und Einheit; Bieter tragen Einheits- und Gesamtpreise ein.
  • Nach § 7 VOB/A muss die Leistung eindeutig und erschöpfend beschrieben werden; dem Bieter darf kein ungewöhnliches Wagnis aufgebürdet werden.
  • Ein gutes LV besteht aus Vorbemerkungen und Positionen, gegliedert nach Gewerk, Bauteil oder Abschnitt.
  • Mengen stammen aus der Massenermittlung; Fehler hier wirken sich direkt auf Vergabe und Nachträge aus.
  • Für den digitalen Austausch ist GAEB DA XML Standard: X81 für das LV, X83 für die Angebotsaufforderung, X84 für das Angebot.

Was ist ein Leistungsverzeichnis?

Das Leistungsverzeichnis ist eine strukturierte Liste aller Teilleistungen eines Auftrags. Zusammen mit der Baubeschreibung, den Plänen und den Vertragsbedingungen bildet es die Leistungsbeschreibung. Die VOB/A unterscheidet zwei Formen: die Leistungsbeschreibung mit Leistungsverzeichnis (§ 7b VOB/A), bei der der Auftraggeber die Leistung im Detail vorgibt, und die Leistungsbeschreibung mit Leistungsprogramm (§ 7c VOB/A), bei der der Bieter Teile der Planung selbst übernimmt. In Deutschland ist das LV der Regelfall. Eine Kurzdefinition finden Sie im Lexikon unter Leistungsverzeichnis.

Wer erstellt das LV? Bei Projekten mit Architekt gehört das Aufstellen von Leistungsbeschreibungen mit Leistungsverzeichnissen zur Leistungsphase 6 der HOAI (Vorbereitung der Vergabe). Bauträger lassen LVs häufig vom Architekten oder der eigenen Bauleitung aufstellen. Handwerksbetriebe erhalten LVs meist zur Bepreisung, schreiben aber für Privatkunden oft selbst ein LV als Grundlage ihres Angebots.

Aufbau eines Leistungsverzeichnisses

Bestandteile eines LV
TeilInhaltHinweis
DeckblattBauvorhaben, Auftraggeber, Gewerk, Datum, Version, AbgabefristEindeutige Bezeichnung verhindert Verwechslungen bei mehreren Losen
Allgemeine VorbemerkungenProjektbeschreibung, Baustellenverhältnisse, Zufahrt, Lagerflächen, Strom und Wasser, TermineGilt für alle Positionen; nur Projektspezifisches, keine Wiederholung der VOB/C
Technische VorbemerkungenQualitätsanforderungen, Normen, Prüfungen, Muster, AbrechnungsregelnBezieht sich auf das Gewerk
GliederungTitel und Untertitel, zum Beispiel nach Geschoss, Bauteil oder LeistungsbereichErleichtert Vergleich und Abrechnung
PositionenOrdnungszahl, Kurztext, Langtext, Menge, Einheit, Einheitspreis, GesamtpreisKern des LV
ZusammenstellungSummen je Titel, Gesamtsumme netto, Umsatzsteuer, bruttoWird vom Bieter ausgefüllt oder berechnet

Ordnungszahl (OZ)

Jede Position erhält eine eindeutige Ordnungszahl, zum Beispiel 01.02.0030: Titel 01, Untertitel 02, Position 0030. Lassen Sie zwischen den Positionen Lücken (0010, 0020, 0030), damit Sie später Positionen einfügen können, ohne neu zu nummerieren. Die Struktur muss vor dem Export festgelegt sein, weil GAEB-Dateien sie fest übernehmen.

Kurztext und Langtext

Der Kurztext benennt die Leistung in einer Zeile und dient der Übersicht. Der Langtext beschreibt sie vollständig: Material, Abmessungen, Qualität, Ausführungsart, Ort und alle Nebenleistungen, die nicht ohnehin nach VOB/C dazugehören. Maßgeblich für den Vertrag ist der Langtext.

Menge und Einheit

Mengen werden in Abrechnungseinheiten angegeben: m, m², m³, Stück, kg, t, Stunde oder pauschal. Die Einheit muss zu den Abrechnungsregeln der jeweiligen ATV der VOB/C passen. Die Mengen ermitteln Sie aus Plänen; die Grundlagen beschreibt der Artikel Aufmaß erstellen. In der Massenermittlung von BauDock messen Sie Flächen, Längen und Umfänge direkt im PDF-Plan; der Rechenweg bleibt im Aufmaßblatt nachvollziehbar.

BauDock · Aufmaß · Raumbuch
Massenermittlung für das Leistungsverzeichnis in BauDock: Positionen je Raum mit Maßen, Abzug für eine Tür, Mengen und Einheitspreisen
Je Geschoss, Wohnung und Raum stehen die Positionen mit Maßen, Abzügen und der daraus ermittelten Menge – die Grundlage für die LV-Mengen.

Positionsarten im LV

Positionsarten
PositionsartBedeutungVerwendung
NormalpositionLeistung wird sicher ausgeführt und mit Menge × Einheitspreis abgerechnetRegelfall
Bedarfsposition (Eventualposition)Leistung wird nur bei Bedarf ausgeführt; Preis ohne GesamtbetragNach § 7 Abs. 1 Nr. 4 VOB/A grundsätzlich nicht aufnehmen
Wahlposition (Alternativposition)Wird statt einer Grundposition ausgeführt, wenn der Auftraggeber das wähltSparsam einsetzen und Wahl in den Vorbemerkungen regeln
GrundpositionPosition, zu der es eine Wahlposition gibtKennzeichnung im LV erforderlich
ZulagepositionMehrpreis für eine Erschwernis gegenüber einer Grundleistung, zum Beispiel für Arbeiten über KopfMenge muss bestimmbar sein
StundenlohnpositionAngehängte Stundenlohnarbeiten nach AufwandNur im unbedingt erforderlichen Umfang (§ 7 Abs. 1 Nr. 4 VOB/A)
PauschalpositionLeistung als Ganzes zu einem Pauschalpreis, zum Beispiel BaustelleneinrichtungLeistungsumfang trotzdem genau beschreiben

Leistungsverzeichnis Beispiel: eine Position

Das folgende Beispiel zeigt eine typische Position aus dem Gewerk Trockenbau. Es dient der Veranschaulichung; Material und Anforderungen müssen Sie an Ihr Projekt anpassen.

Muster zum Übernehmen
Beispielposition Trockenbau
OZ: 02.01.0040 Einheit: m² Menge: 186,50
Kurztext: Metallständerwand, 100 mm, doppelt beplankt, EI 30
Langtext: Nichttragende Trennwand als Metallständerwand herstellen. Unterkonstruktion aus CW-/UW-Profilen 75 mm, Achsabstand 625 mm, Anschlüsse an Boden, Decke und Massivwände mit Anschlussdichtung. Beidseitig doppelt beplankt mit Gipsplatten 12,5 mm (Typ nach Brandschutzkonzept), Hohlraum mit Mineralwolle 60 mm gedämmt. Feuerwiderstand EI 30 nach Brandschutzkonzept, Nachweis vom Bieter. Oberflächen Qualitätsstufe Q2. Wandhöhe bis 3,00 m. Öffnungen werden in gesonderten Positionen vergütet.
Einheitspreis: ………… €/m² Gesamtpreis: ………… €

Eine vollständige Vorlage mit Vorbemerkungen, Titeln und Zusammenstellung finden Sie unter Leistungsverzeichnis-Vorlage.

Leistungsverzeichnis erstellen: Schritt für Schritt

  1. Grundlagen sammeln: Ausführungspläne, Baubeschreibung, Brandschutz- und Schallschutzkonzept, Statik, Bodengutachten, Terminplan.
  2. Vergabeeinheiten festlegen: welche Gewerke in welchem LV, wo liegen die Schnittstellen?
  3. Gliederung anlegen: Titel nach Bauablauf oder Bauteil, Ordnungszahlen festlegen.
  4. Vorbemerkungen schreiben: nur Projektspezifisches, keine allgemeinen Floskeln.
  5. Positionen formulieren: Langtexte vollständig, eine Leistung je Position, Nebenleistungen klären.
  6. Mengen ermitteln: aus Plänen messen, Rechenweg dokumentieren, Mengen nicht pauschal aufrunden.
  7. Kosten schätzen: eigenes bepreistes LV als Vergleichsmaßstab für die Angebote, wenn Sie später einen Preisspiegel erstellen.
  8. Prüfen: Vier-Augen-Prinzip, Abgleich mit Plänen und Schnittstellen zu anderen Gewerken.
  9. Versenden: als PDF und als GAEB-Datei, damit Bieter ihre Kalkulationsprogramme nutzen können.

Regeln aus der VOB für die Erstellung von Leistungsverzeichnissen

Öffentliche Auftraggeber sind an die VOB/A gebunden. Private Auftraggeber nicht, aber die Regeln haben sich als Maßstab einer fairen und vergleichbaren Ausschreibung durchgesetzt. Bei Unklarheiten im LV legen Gerichte die Leistungsbeschreibung häufig zulasten des Verfassers aus.

  • Eindeutig und erschöpfend beschreiben, sodass alle Bieter die Beschreibung im gleichen Sinne verstehen (§ 7 Abs. 1 Nr. 1 VOB/A).
  • Kein ungewöhnliches Wagnis für Umstände, auf die der Bieter keinen Einfluss hat (§ 7 Abs. 1 Nr. 3 VOB/A).
  • Bedarfspositionen grundsätzlich nicht aufnehmen, Stundenlohnarbeiten nur im unbedingt erforderlichen Umfang (§ 7 Abs. 1 Nr. 4 VOB/A).
  • Produktneutral ausschreiben; Fabrikate nur ausnahmsweise mit dem Zusatz „oder gleichwertig“ (§ 7 Abs. 2 VOB/A).
  • Abschnitt 0 der ATV in der VOB/C beachten: DIN 18299 und die gewerkespezifischen ATV enthalten Hinweise, was in der Leistungsbeschreibung anzugeben ist.
  • Nebenleistungen und Besondere Leistungen unterscheiden: Nebenleistungen nach Abschnitt 4 der ATV gehören ohne Erwähnung zur Leistung; Besondere Leistungen müssen eigens beschrieben werden.
⚠️ Lücken werden zu Nachträgen
Fehlt eine Leistung im LV oder ist sie unklar beschrieben, hat der Auftragnehmer bei geänderten oder zusätzlichen Leistungen Anspruch auf Mehrvergütung (§ 2 Abs. 5 und 6 VOB/B). Ein sorgfältiges LV ist deshalb das wirksamste Mittel gegen Nachträge. Mehr dazu im Artikel Nachtrag am Bau.

LV Bau digital: GAEB und Standardtexte

Der Gemeinsame Ausschuss Elektronik im Bauwesen (GAEB) hat ein Austauschformat geschaffen, mit dem LVs ohne Abtippen zwischen Planer, Bauherr und Bieter wandern. Die aktuelle Form ist GAEB DA XML. Die Datenarten kennzeichnen den Zweck der Datei.

Wichtige GAEB-Datenarten
DatenartZweck
X81Leistungsbeschreibung (LV ohne Preise)
X82Kostenanschlag
X83Angebotsaufforderung
X84Angebotsabgabe mit Preisen
X85Nebenangebot
X86Auftragserteilung

Für die Texte selbst gibt es Standardleistungsbücher wie das STLB-Bau sowie Textsammlungen von Herstellern und Verbänden. Sie sparen Zeit und sorgen für einheitliche Formulierungen, ersetzen aber nicht die Anpassung an das Projekt. Wie das Format aufgebaut ist und welche Fehler beim Import vorkommen, erklärt der Artikel GAEB-Format.

📄
So hilft BauDock
In BauDock stellen Sie die Ausschreibung als LV ohne Preise zusammen und geben sie als GAEB-Datei und PDF an die Bieter. Liegt das LV schon vor, lesen Sie es als GAEB-Datei (X81 bis X86) oder als PDF ein. Die eingehenden Angebote – auch als PDF oder Foto – stellt der Angebotsvergleich Position für Position in einer Tabelle gegenüber. Auf der anderen Seite lesen Handwerksbetriebe das LV des Auftraggebers ein, kalkulieren je Position und geben ihr Angebot zurück.

Typische Fehler im Leistungsverzeichnis

  • Mehrere Leistungen in einer Position: Abrechnung und Nachträge werden unübersichtlich.
  • Langtext fehlt oder ist kopiert: Textbausteine aus anderen Projekten passen selten vollständig.
  • Mengen geschätzt statt ermittelt: führt zu Mengenänderungen und Preisanpassungen nach § 2 Abs. 3 VOB/B.
  • Schnittstellen offen: wer setzt die Zarge, wer schließt die Dämmung an, wer entsorgt?
  • Fabrikat ohne Gleichwertigkeitszusatz: bei öffentlichen Aufträgen unzulässig.
  • Vorbemerkungen überladen: zehn Seiten allgemeiner Text, den kein Bieter liest, und dazwischen eine wichtige Sonderregel.
  • Nur PDF verschickt: Bieter müssen abtippen, das kostet Zeit und erzeugt Fehler.

Checkliste vor dem Versand

Muster zum Übernehmen
Checkliste Leistungsverzeichnis
☐ Deckblatt mit Bauvorhaben, Gewerk, Version und Abgabefrist
☐ Vorbemerkungen projektbezogen und widerspruchsfrei
☐ Jede Position mit OZ, Kurztext, vollständigem Langtext, Menge und Einheit
☐ Mengen aus Plänen ermittelt, Rechenweg dokumentiert
☐ Schnittstellen zu anderen Gewerken geklärt
☐ Bedarfs- und Wahlpositionen nur, wo unvermeidbar, und gekennzeichnet
☐ Fabrikate nur mit „oder gleichwertig“
☐ Pläne, Details und Gutachten als Anlagen beigefügt
☐ GAEB-Datei (X83) und PDF erzeugt und gegeneinander geprüft

Die Kosten aus dem LV ordnen Sie für die Kostenplanung den Kostengruppen zu; eine vollständige Liste finden Sie im Artikel Kostengruppen DIN 276.

BauDock für Ihre Rolle
📐 Software für Architekten →🏢 Software für Bauträger →🦺 Software für Bauleiter →🔨 Software für Handwerker →
Quellen
Fragen & Antworten

Häufige Fragen

Wie erstellt man ein Leistungsverzeichnis?

Grundlagen sammeln, Gliederung mit Ordnungszahlen anlegen, Vorbemerkungen schreiben, Positionen mit Kurztext, Langtext, Menge und Einheit formulieren, Mengen aus den Plänen ermitteln, prüfen und als PDF und GAEB-Datei versenden.

Wer erstellt das Leistungsverzeichnis am Bau?

Bei Projekten mit Architekt gehört es zur Leistungsphase 6 der HOAI. Bauträger lassen es oft vom Architekten oder der eigenen Bauleitung erstellen. Handwerker schreiben für private Kunden häufig selbst ein LV.

Was gehört in eine LV-Position?

Ordnungszahl, Kurztext, Langtext mit Material, Maßen, Qualität und Ausführung, Menge, Einheit sowie Felder für Einheitspreis und Gesamtpreis.

Was ist der Unterschied zwischen Bedarfsposition und Wahlposition?

Eine Bedarfsposition wird nur bei Bedarf zusätzlich ausgeführt. Eine Wahlposition wird anstelle einer Grundposition ausgeführt, wenn der Auftraggeber sie wählt. Bedarfspositionen sollen nach VOB/A grundsätzlich nicht ins LV.

Welches Dateiformat nutzt man für LVs?

Standard ist GAEB DA XML. Das LV wird als X81 oder X83 verschickt, Angebote kommen als X84 zurück.

Gibt es eine Pflicht zum Leistungsverzeichnis?

Öffentliche Auftraggeber müssen die Leistung nach VOB/A eindeutig und erschöpfend beschreiben, in der Regel mit LV. Private Auftraggeber sind frei, profitieren aber von vergleichbaren Angeboten und weniger Nachträgen.