Preisspiegel: Angebote vergleichbar machen
Ein Preisspiegel ist die tabellarische Gegenüberstellung mehrerer Angebote auf Basis desselben Leistungsverzeichnisses. Er zeigt nicht nur, wer in der Summe am günstigsten ist, sondern auch, wo einzelne Bieter auffällig teuer oder billig kalkuliert haben. Gerade beim Einheitspreisvertrag ist das wichtig: Ändern sich später die Mengen, verschiebt sich die Rangfolge. Wie Sie einen Preisspiegel Schritt für Schritt aufbauen, erklärt der Artikel Preisspiegel erstellen.
Rechenbeispiel: warum der Rang von der Wertung abhängt
| Bau Müller | Schneider Bau | Hochbau Krämer | |
|---|---|---|---|
| Angebotssumme netto | 142.343 € | 139.057 € | 140.063 € |
| Nachlass | 3 % | 0 % | 2 % |
| fehlende Einheitspreise | 0 | 0 | 1 |
| Wertungssumme netto | 138.072,71 € | 139.057,00 € | 141.150,38 € |
| Rang | 1 | 2 | 3 |
Ohne Nachlass liegt Schneider Bau vorn. Nach 3 % Nachlass ist Bau Müller günstiger. Hochbau Krämer wirkt mit 140.063 € zunächst preiswert, hat aber für die Stahlbetonstützen keinen Preis abgegeben; mit dem Höchstpreis der anderen Bieter angesetzt, rutscht das Angebot auf Rang 3. Die Summe der günstigsten Einzelpreise aller Bieter beträgt 133.528 € und zeigt, wie viel Verhandlungsspielraum in einzelnen Positionen steckt.
Rechtsgrundlagen der Angebotswertung
Für öffentliche Auftraggeber regeln §§ 16 bis 16d VOB/A die Prüfung und Wertung: Ausschluss unvollständiger Angebote, rechnerische Prüfung, Aufklärung ungewöhnlich niedriger Preise und Zuschlag auf das wirtschaftlichste Angebot. Oberhalb der EU-Schwellenwerte gilt zusätzlich § 127 GWB. Private Bauherren und Bauträger sind daran nicht gebunden, sollten aber dieselbe Sorgfalt anwenden. Ein Skonto ist nur dann ein Preisvorteil, wenn Sie die Zahlungsfrist sicher einhalten; deshalb gehört es nicht in den Rang. Die Skontohöhe rechnet der Skonto-Rechner nach, die Besonderheiten am Bau erklärt das Lexikon unter Skonto am Bau.
Preisspiegel Schritt für Schritt auswerten
- Formale Prüfung: Sind alle Angebote fristgerecht, vollständig und unterschrieben eingegangen?
- Rechnerische Prüfung: Stimmen Menge × Einheitspreis und die Summen in jedem Angebot?
- Lücken markieren: Fehlende Preise, Vorbehalte und Änderungen am Leistungsverzeichnis notieren.
- Auffällige Preise klären: Positionen mit großer Spanne zwischen teuerstem und günstigstem Bieter hinterfragen.
- Wertung: Nachlässe einrechnen, Rang bilden und neben dem Preis auch Termine, Referenzen und Kapazität berücksichtigen.
- Vergabevermerk: Ergebnis, Gründe und Rückfragen schriftlich festhalten.
Eine Spanne von mehr als 30 % zwischen den Bietern ist ein Hinweis auf Missverständnisse im Leistungsverzeichnis oder auf eine spekulative Kalkulation. Die Vorlage zeigt die Spanne je Position in einer eigenen Spalte.
Typische Fehler beim Angebotsvergleich
- Angebote verglichen, die auf unterschiedlichen Leistungsverzeichnissen oder Planständen beruhen.
- Fehlende Einheitspreise als null gewertet, sodass ein lückenhaftes Angebot vorne liegt.
- Nebenangebote und Bedarfspositionen mit der Hauptsumme vermischt.
- Nachlass unter Bedingungen (etwa Auftrag für mehrere Lose) wie einen festen Nachlass gerechnet.
- Spekulative Einheitspreise nicht erkannt: sehr niedrige Preise bei Positionen mit unsicherer Menge.
- Rechenfehler im Angebot nicht geprüft; maßgeblich ist der Einheitspreis.
