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Baukosten-Controlling: Kostenkontrolle am Bau nach DIN 276 – mit Vorlage zum Download

Aktualisiert am 19. Oktober 2026 · 8 Min. Lesezeit · Redaktion BauDock
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Kostenberechnung nach DIN 276 Vorlage – kostenlos als Excel herunterladen

Baukosten-Controlling heißt: Kosten von Anfang an nach einer festen Struktur planen, laufend mit Aufträgen, Nachträgen und Rechnungen abgleichen und frühzeitig eine Prognose für die Endkosten stellen. Grundlage in Deutschland ist die DIN 276 mit ihren Kostengruppen 100 bis 800 und den Stufen der Kostenermittlung. Dieser Artikel zeigt, wie Bauträger und Architekten eine wirksame Kostenkontrolle am Bau aufbauen – vom Budget über den Soll-Ist-Vergleich bis zum Bericht mit Ampel.

Das Wichtigste in Kürze
  • Die DIN 276 gliedert die Kosten im Bauwesen in acht Kostengruppen von 100 Grundstück bis 800 Finanzierung mit bis zu drei Gliederungsebenen.
  • Die Kosten werden in Stufen immer genauer ermittelt: Kostenrahmen, Kostenschätzung, Kostenberechnung, Kostenvoranschlag, Kostenanschlag, Kostenfeststellung.
  • Wirksames Controlling vergleicht nicht nur Budget und Rechnungen, sondern Budget, Auftragswert, Nachträge, Abrechnung und Prognose je Kostengruppe.
  • Nachträge und Risiken gehören sofort in die Prognose – nicht erst, wenn die Rechnung kommt.
  • Ein kurzer, regelmäßiger Kostenbericht mit Ampel und Abweichungsbegründung schafft Entscheidungsgrundlagen für Bauherr und Geschäftsführung.

Was ist Baukosten-Controlling?

Controlling ist mehr als das Sammeln von Rechnungen. Es umfasst das Planen der Kosten, das Steuern durch Entscheidungen über Standards, Vergaben und Nachträge und das Kontrollieren durch regelmäßigen Abgleich mit dem Budget. Ziel ist, Abweichungen so früh zu erkennen, dass noch gegengesteuert werden kann – etwa durch eine andere Ausführung, eine Neuvergabe oder eine Anpassung der Finanzierung.

Für Bauträger hängt die Rendite eines Projekts unmittelbar an der Kostenkontrolle: Die Verkaufspreise stehen oft früh fest, jede Kostensteigerung geht direkt zu Lasten der Marge, die in der Bauträgerkalkulation eingeplant wurde. Architekten schulden nach der HOAI bei beauftragten Leistungsphasen kostenbezogene Grundleistungen, etwa die Kostenschätzung in der Leistungsphase 2, die Kostenberechnung in Leistungsphase 3 und die Kostenfeststellung in Leistungsphase 8 (siehe HOAI-Leistungsphasen).

DIN 276 Kostengruppen: die gemeinsame Sprache

Die DIN 276 „Kosten im Bauwesen“ (aktuelle Fassung Dezember 2018) gliedert die Gesamtkosten in der ersten Ebene in acht Kostengruppen. Jede Gruppe wird in der zweiten und dritten Ebene weiter unterteilt, erkennbar an der dreistelligen Nummer – zum Beispiel 300 Bauwerk – Baukonstruktionen, darunter 330 Außenwände/Vertikale Baukonstruktionen, außen, darunter 331 Tragende Außenwände. Die vollständige Gliederung finden Sie in der Liste der Kostengruppen nach DIN 276.

Kostengruppen der ersten Ebene nach DIN 276:2018-12
KGBezeichnungBeispiele
100GrundstückGrundstückswert, Grunderwerbsnebenkosten
200Vorbereitende MaßnahmenHerrichten, Erschließung, Ausgleichsmaßnahmen
300Bauwerk – BaukonstruktionenBaugrube, Gründung, Wände, Decken, Dächer
400Bauwerk – Technische AnlagenSanitär, Heizung, Lüftung, Elektro, Aufzüge
500Außenanlagen und FreiflächenWege, Stellplätze, Grünflächen
600Ausstattung und KunstwerkeMöblierung, Beschilderung, Kunst am Bau
700BaunebenkostenPlanung, Gutachten, Genehmigungen, Projektsteuerung
800FinanzierungFinanzierungskosten, etwa Zinsen während der Bauzeit
💡 Eine Struktur für alles
Ordnen Sie Budget, Aufträge, Nachträge und Rechnungen konsequent denselben Kostengruppen zu. Nur dann lassen sich Werte vergleichen. Bei Bauträgern kommen oft eigene Positionen für Vertrieb und Marketing hinzu; legen Sie dafür eine klar abgegrenzte Gruppe an. Wer Mengen in BauDock ermittelt, ordnet die Positionen dort schon den Kostengruppen nach DIN 276 zu (Aufmaß und Massenermittlung).

Stufen der Kostenermittlung

Mit fortschreitender Planung werden die Kosten immer genauer. Die DIN 276 unterscheidet dafür mehrere Stufen der Kostenermittlung, die jeweils auf einer anderen Grundlage beruhen und feiner gegliedert sind. Jede Stufe wird mit der vorherigen verglichen; Abweichungen werden begründet.

Stufen der Kostenermittlung
StufeGrundlageTypischer Zeitpunkt
KostenrahmenBedarfsplanung, ProjektzieleProjektentwicklung, Grundlagenermittlung
KostenschätzungVorplanungHOAI Leistungsphase 2
KostenberechnungEntwurfsplanungHOAI Leistungsphase 3
KostenvoranschlagAusführungsplanung und Vorbereitung der Vergabevor der Vergabe (seit DIN 276:2018)
KostenanschlagVergabe und Ausführung, Angebote und Aufträgewährend Vergabe und Bau
Kostenfeststellungtatsächlich entstandene Kosten, Schlussrechnungennach Fertigstellung, HOAI Leistungsphase 8

Für das laufende Controlling am wichtigsten ist der Übergang von der Kostenberechnung zum Kostenanschlag: Ab der Vergabe stehen echte Auftragswerte fest. Spätestens jetzt sollte jede Vergabe sofort gegen das Budget der Kostengruppe gebucht werden. Den Unterschied der frühen Stufen erklärt das Lexikon unter Kostenschätzung und Kostenberechnung; für die Gliederung nach Kostengruppen eignet sich die Vorlage Kostenberechnung nach DIN 276.

Kostenkontrolle am Bau: der Soll-Ist-Vergleich

Ein reiner Vergleich „Budget gegen bezahlte Rechnungen“ führt in die Irre: Rechnungen kommen spät, und bis dahin wirkt alles im Plan. Aussagekräftig ist erst eine Betrachtung mehrerer Werte nebeneinander, je Kostengruppe oder je Vergabeeinheit.

Spalten eines Kostenblatts
SpalteBedeutung
Budget (Soll)freigegebener Kostenansatz aus der Kostenberechnung bzw. dem Investitionsplan
AuftragswertSumme der erteilten Aufträge
Nachträge beauftragtgeprüfte und beauftragte Nachträge
Nachträge offenangemeldete, noch nicht entschiedene Nachträge mit realistischer Bewertung
Abgerechnetgeprüfte Abschlags- und Schlussrechnungen
Bezahlttatsächlich gezahlte Beträge (für die Liquiditätsplanung)
Prognoseerwartete Endkosten: Auftrag + Nachträge + noch nicht vergebene Leistungen + Risiken
AbweichungPrognose minus Budget, absolut und in Prozent

Die entscheidende Spalte ist die Prognose. Sie beantwortet die Frage, die Geschäftsführung und Bauherr wirklich interessiert: Wo landen wir am Ende? Für noch nicht vergebene Leistungen bleibt der Budgetansatz in der Prognose, bis ein Angebot vorliegt. Für vergebene Leistungen gilt der Auftragswert plus Nachträge.

Nachträge und Risiken früh erfassen

Die meisten Kostenüberschreitungen entstehen nicht durch falsche Schätzungen, sondern durch Änderungen während der Ausführung: geänderte Planung, Sonderwünsche, Baugrund, Behinderungen. Deshalb gehören Nachträge in die Prognose, sobald sie angekündigt sind – nicht erst, wenn sie beauftragt oder abgerechnet werden. Wie Nachträge entstehen und geprüft werden, erklärt der Artikel Nachtrag am Bau.

  • Nachtragsliste führen: Nummer, Firma, Kostengruppe, Anlass, angemeldeter Betrag, geprüfter Betrag, Status.
  • Realistisch bewerten: Offene Nachträge mit dem voraussichtlich anzuerkennenden Betrag ansetzen, nicht mit null.
  • Risikoposten: Bekannte Risiken (Baugrund, Preissteigerungen, Terminverzug) als eigene Position mit geschätztem Betrag führen.
  • Reserve: Eine Projektreserve getrennt ausweisen und Entnahmen dokumentieren – sonst verschwindet sie unbemerkt in den Kostengruppen.
  • Ursache festhalten: Bauherrenwunsch, Planungsänderung oder Störung im Bauablauf? Die Ursache entscheidet, wer die Kosten trägt.

Berichtswesen und Kostenampel

Ein Kostenbericht muss nicht lang sein, aber regelmäßig – monatlich oder zu festen Meilensteinen. Er zeigt den Stand je Kostengruppe, die Veränderung seit dem letzten Bericht und die Gründe für Abweichungen. Eine Ampel macht auf einen Blick sichtbar, wo gehandelt werden muss.

Beispiel für eine Kostenampel (Schwellen projektbezogen festlegen)
AmpelBedingungFolge
GrünPrognose im Budgetkeine Maßnahme, Beobachtung
GelbPrognose bis etwa 5 % über Budget oder offene Nachträge mit unklarer BewertungUrsache klären, Gegenmaßnahmen prüfen
RotPrognose deutlich über Budget oder Reserve aufgebrauchtEntscheidung durch Geschäftsführung bzw. Bauherrn
Muster zum Übernehmen
Gliederung Kostenbericht
1. Projekt, Berichtszeitraum, Stand
2. Zusammenfassung: Budget, Prognose, Abweichung, Ampel
3. Übersicht je Kostengruppe (Budget, Auftrag, Nachträge, abgerechnet, Prognose)
4. Veränderungen seit dem letzten Bericht mit Begründung
5. Nachtragsliste (neu, entschieden, offen)
6. Risiken und Reserve
7. Liquidität: Zahlungen bisher und geplante Abflüsse
8. Entscheidungsbedarf und empfohlene Maßnahmen
📝
So hilft BauDock
Den monatlichen Kostenbericht stellen Sie in BauDock aus Bausteinen zusammen: Text für die Gründe der Abweichungen, Tabellen für den Stand je Kostengruppe, Fotos vom Baufortschritt, Nachweise als Anlage ans PDF. Ein abgeschlossener Bericht ist eingefroren, sodass jeder Monatsstand nachvollziehbar bleibt. Berichte der eigenen Bauleitung sieht die Geschäftsführung eines Bauträgers automatisch – Abweichungen von der Baustelle kommen so ohne Nachfragen an.

Checkliste Baukosten-Controlling

Muster zum Übernehmen
Checkliste Kostenkontrolle Bau
[ ] Budget nach DIN 276 Kostengruppen gegliedert und freigegeben
[ ] Jede Vergabe sofort der Kostengruppe zugeordnet und gegen das Budget gebucht
[ ] Nachtragsliste mit Status und realistischer Bewertung
[ ] Rechnungen geprüft, Abschläge und Einbehalte nachvollziehbar
[ ] Prognose der Endkosten je Kostengruppe aktuell
[ ] Risiken und Reserve getrennt ausgewiesen
[ ] Kostenbericht mit Ampel im festen Rhythmus
[ ] Abweichungen begründet und Entscheidungen dokumentiert
[ ] Kostenfeststellung nach Abschluss und Abgleich mit der Kostenberechnung
ℹ️ Allgemeine Information
Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick über Methoden der Kostenkontrolle. Für die exakten Begriffsdefinitionen und die Gliederung im Detail ist der Normtext der DIN 276 maßgeblich; vertragliche Pflichten ergeben sich aus Ihren Verträgen und gegebenenfalls aus der HOAI.
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Quellen
Fragen & Antworten

Häufige Fragen

Welche Kostengruppen hat die DIN 276?

Die erste Ebene umfasst acht Kostengruppen: 100 Grundstück, 200 Vorbereitende Maßnahmen, 300 Bauwerk – Baukonstruktionen, 400 Bauwerk – Technische Anlagen, 500 Außenanlagen und Freiflächen, 600 Ausstattung und Kunstwerke, 700 Baunebenkosten und 800 Finanzierung.

Was ist der Unterschied zwischen Kostenschätzung und Kostenberechnung?

Die Kostenschätzung beruht auf der Vorplanung, die Kostenberechnung auf der Entwurfsplanung und ist entsprechend genauer und feiner gegliedert. Nach HOAI gehören sie zu den Leistungsphasen 2 und 3.

Was gehört in einen Soll-Ist-Vergleich am Bau?

Mindestens Budget, Auftragswert, Nachträge, abgerechnete Beträge und die Prognose der Endkosten je Kostengruppe. Erst die Prognose zeigt, ob das Budget am Ende hält.

Wann sollten Nachträge im Controlling erscheinen?

Sobald sie angekündigt sind, mit einer realistischen Bewertung. Wer Nachträge erst bei Beauftragung oder Rechnung erfasst, erkennt Überschreitungen zu spät.

Wie oft sollte ein Kostenbericht erstellt werden?

Üblich ist ein monatlicher Rhythmus oder ein Bericht zu festen Meilensteinen. Wichtiger als die Länge ist die Regelmäßigkeit und die Begründung von Abweichungen.