Was sind Formblatt 221, 222 und 223?
Die Formblätter stammen aus dem Vergabe- und Vertragshandbuch für die Baumaßnahmen des Bundes (VHB Bund) und werden auch von Ländern und Kommunen verwendet. Früher hießen sie „EFB-Preis“. Mit ihnen legt der Bieter offen, wie er seine Preise ermittelt hat. Die Vergabestelle prüft damit, ob ein Angebot auskömmlich kalkuliert ist oder ein ungewöhnlich niedriger Preis vorliegt (§ 16d VOB/A).
| Formblatt | Inhalt | Für wen |
|---|---|---|
| 221 | Preisermittlung bei Zuschlagskalkulation: Verrechnungslohn und Zuschläge auf die Einzelkosten | Betriebe, die mit Zuschlägen auf Einzelkosten kalkulieren |
| 222 | Preisermittlung bei Kalkulation über die Endsumme | Betriebe, die Gemeinkosten über die Angebotsendsumme umlegen |
| 223 | Aufgliederung der Einheitspreise in Lohn, Stoffe, Geräte, Sonstiges | zusätzlich, meist für ausgewählte Positionen |
Diese Vorlage bildet 221 und 223 ab. Wer über die Endsumme kalkuliert, nutzt Formblatt 222 der Vergabestelle.
Formblatt 221: Verrechnungslohn Schritt für Schritt
| Zeile | Berechnung | Beispiel |
|---|---|---|
| 1.1 Mittellohn ML | Eingabe | 28,50 €/h |
| 1.2 Lohngebundene Kosten | 85 % von ML | 24,23 €/h |
| 1.3 Lohnnebenkosten | Eingabe | 1,50 €/h |
| 1.4 Kalkulationslohn KL | 1.1 + 1.2 + 1.3 | 54,23 €/h |
| 1.5 Zuschlag auf KL | BGK 12 % + AGK 9 % + Wagnis 2 % + Gewinn 3 % = 26 % | 14,10 €/h |
| 1.6 Verrechnungslohn VL | KL + Zuschlag | 68,32 €/h |
Die Beispielwerte sind nur Platzhalter. Ihre eigenen Sozialkosten und Zuschläge ergeben sich aus der Lohnbuchhaltung und der Kostenrechnung Ihres Betriebs. Baustellengemeinkosten (BGK) betreffen die konkrete Baustelle, Allgemeine Geschäftskosten (AGK) den Betrieb insgesamt. Wie sich der Stundensatz im Handwerk außerhalb öffentlicher Vergaben zusammensetzt, zeigt der Artikel Stundenverrechnungssatz kalkulieren.
Formblatt 223: Einheitspreise aufgliedern
Im Formblatt 223 wird jeder Einheitspreis in seine Teilkosten zerlegt. Der Lohnanteil ergibt sich aus Zeitansatz (Stunden je Mengeneinheit) mal Verrechnungslohn, Stoffe, Geräte und Sonstiges werden mit ihren Zuschlägen angesetzt. Die Summe ist der Einheitspreis. Beispiel aus der Vorlage: Mauerwerk KS 17,5 cm mit 0,85 h/m² ergibt bei 68,32 €/h einen Lohnanteil von rund 58,07 €/m²; dazu kommen 24,80 €/m² Stoffe und 1,20 €/m² Geräte, jeweils mit Zuschlag.
Typische Fehler in der Zuschlagskalkulation
- Angaben in Formblatt 221 und die Einheitspreise im LV passen nicht zusammen – das fällt bei der Prüfung auf.
- Zuschläge geschätzt statt aus der eigenen Kostenrechnung abgeleitet.
- Lohnerhöhungen während der Bauzeit nicht im Mittellohn berücksichtigt.
- Nachunternehmerleistungen ohne Zuschlag für Koordination und Wagnis weitergegeben.
- Rundungsdifferenzen zwischen Teilkosten und EP – die Vorlage rundet den EP deshalb auf Cent.
Wie Sie ein Leistungsverzeichnis lesen und Positionen sauber beschreiben, erklärt der Artikel Leistungsverzeichnis erstellen. Für den Datenaustausch mit der Vergabestelle siehe GAEB-Format.
Angebotssumme und Plausibilität
Im Blatt 221 fasst die Vorlage die Einzelkosten aller Positionen je Kostenart zusammen und schlägt die Zuschläge auf. Die so ermittelte Angebotssumme sollte mit der Summe Ihres ausgepreisten Leistungsverzeichnisses übereinstimmen. Größere Abweichungen deuten auf Positionen hin, deren Einheitspreis nicht aus der Kalkulation stammt. Für private Auftraggeber genügt in der Regel ein klassisches Angebot ohne Formblätter.
