Ein Raumbuch erstellen bedeutet, für jeden Raum eines Gebäudes in einer Tabelle festzuhalten, wie groß er ist, wie Boden, Wände und Decke ausgeführt werden und welche Fenster, Türen, Elektro-, Sanitär- und Ausstattungselemente er erhält. Das Raumbuch ist damit die Brücke zwischen Plan und Leistungsverzeichnis: Es übersetzt den Grundriss in Mengen und Qualitäten, die sich ausschreiben, prüfen und abnehmen lassen. Dieser Artikel zeigt, wann ein Raumbuch sinnvoll ist, welche Spalten hineingehören, wie Sie Raumnummern vergeben und wie das Raumbuch über alle Projektphasen gepflegt wird.
- Ein Raumbuch beschreibt jeden Raum mit Nummer, Fläche, Höhe, Oberflächen, Öffnungen, Technik und Ausstattung in einer einheitlichen Tabelle.
- Es entsteht aus dem Raumprogramm der Bedarfsplanung und wächst mit dem Planungsstand bis zur Ausführungsplanung.
- Ein eindeutiges Raumnummernsystem (Gebäude, Geschoss, Raum) ist die Voraussetzung für Plan, LV, Mängelliste und Übergabe.
- Aus dem Raumbuch lassen sich Mengen für das Leistungsverzeichnis ableiten, etwa Boden-, Wand- und Deckenflächen je Belag.
- Ein gepflegtes Raumbuch hilft bei Bemusterung, Abnahme und Betrieb, weil es den vereinbarten Soll-Zustand je Raum dokumentiert.
Was ist ein Raumbuch?
Das Raumbuch ist eine raumweise Beschreibung eines Gebäudes. Während Grundrisse zeigen, wo ein Raum liegt und wie er geschnitten ist, beantwortet das Raumbuch die Frage, wie er ausgeführt wird: Fliesen oder Parkett, Putzqualität, Anzahl der Steckdosen, Art der Tür, Sanitärobjekte. Eine Norm für den Aufbau gibt es nicht; die Begriffe für Flächen orientieren sich aber an der DIN 277, die Kosten an den Kostengruppen der DIN 276.
Abzugrenzen sind drei verwandte Begriffe. Das Raumprogramm aus der Bedarfsplanung nach DIN 18205 listet, welche Räume mit welcher Größe gebraucht werden. Der Raumstempel im Plan zeigt Raumnummer, Bezeichnung, Fläche und Bodenbelag direkt im Grundriss. Das Raumbuch fasst alle Eigenschaften je Raum ausführlich zusammen und ist damit das umfassendste der drei Werkzeuge.
Wann lohnt sich ein Raumbuch?
- Mehrfamilienhäuser und Bauträgerprojekte: viele gleichartige Wohnungen mit Abweichungen durch Sonderwünsche.
- Büro-, Schul- und Gesundheitsbauten: viele Räume mit unterschiedlichen technischen Anforderungen.
- Sanierung im Bestand: Zustand und Maßnahmen je Raum festhalten, oft verbunden mit einem Aufmaß.
- Ausschreibung nach Räumen: wenn Leistungen raumweise kalkuliert oder abgerechnet werden sollen.
- Übergabe an Betreiber: als Grundlage für Facility Management, Reinigungsflächen und Wartung.
Inhalte eines Raumbuchs: die wichtigsten Spalten
| Bereich | Spalten | Beispiel |
|---|---|---|
| Identifikation | Raumnummer, Bezeichnung, Geschoss, Wohnung/Einheit | 1.02.03 Bad, 1. OG, WE 05 |
| Geometrie | Fläche (NRF), Umfang, lichte Höhe, Wandfläche | 7,8 m², 11,4 m, 2,50 m |
| Nutzung | Nutzungsart nach DIN 277, Belegung | NUF 7 Sanitär |
| Boden | Aufbau, Belag, Sockel, Gefälle | Estrich 65 mm, Fliese 60×60, R10 |
| Wand | Untergrund, Oberfläche, Fliesenhöhe | Kalkzementputz Q2, Fliese raumhoch |
| Decke | Art, Oberfläche, Abhängung | Gipskarton, Q3, gestrichen |
| Öffnungen | Fenster, Türen mit Typ und Maß | Fenster F-12, Tür T-30 88,5×201 |
| Elektro | Steckdosen, Schalter, Leuchten, Daten | 2 Steckdosen, 1 Spiegelleuchte |
| Sanitär/HLS | Objekte, Heizung, Lüftung | WC, WT, Dusche bodengleich, Abluft |
| Ausstattung | Einbauten, Zubehör, Sonderwünsche | Spiegelschrank, Handtuchheizkörper |
| Status | Planstand, Bemusterung, Abnahme | Bemustert am 12.09., abgenommen |
Die kostenlose Raumbuch-Vorlage enthält diese Spalten als Excel-Tabelle, summiert die Flächen je Geschoss und Belag und lässt sich um eigene Spalten erweitern.
Raumbuch erstellen in 6 Schritten
- Raumnummernsystem festlegen: einheitlich für Pläne, Raumbuch, LV und Mängellisten, zum Beispiel Bauteil.Geschoss.Raum.
- Räume aus dem Plan übernehmen: Raumliste je Geschoss mit Bezeichnung und Nutzung anlegen.
- Flächen und Höhen ermitteln: Netto-Raumfläche, Umfang und lichte Höhe aus dem Plan oder dem Aufmaß.
- Standards definieren: Ausstattungsstandard je Raumtyp festlegen (Bad Standard, Bad Komfort, Wohnraum), statt jeden Raum einzeln zu beschreiben.
- Abweichungen eintragen: Sonderwünsche, technische Besonderheiten und abweichende Oberflächen je Raum ergänzen.
- Fortschreiben: bei jeder Planänderung, Bemusterung und Abnahme den Stand und das Datum aktualisieren.
Raumnummern richtig vergeben
Eine gute Raumnummer ist eindeutig, sortierbar und für alle Beteiligten lesbar. Bewährt hat sich eine dreistellige Gliederung: Bauteil oder Haus, Geschoss, laufende Raumnummer. Das Untergeschoss erhält zum Beispiel U1, das Erdgeschoss 00, die Obergeschosse 01, 02 und so weiter. Entscheidend ist, dass das System zu Projektbeginn festgelegt und in den Planköpfen, im Raumbuch und auf der Baustelle gleich verwendet wird.
| Raumnummer | Bedeutung |
|---|---|
| A.00.01 | Haus A, Erdgeschoss, Raum 01 (Eingang) |
| A.01.05 | Haus A, 1. Obergeschoss, Raum 05 |
| B.U1.02 | Haus B, 1. Untergeschoss, Raum 02 (Technik) |
| A.02.WE07.03 | Haus A, 2. OG, Wohnung 07, Raum 03 |
Vom Raumbuch zum Leistungsverzeichnis
Der große Vorteil eines sauberen Raumbuchs zeigt sich bei der Ausschreibung. Werden Fläche, Umfang und Höhe je Raum gepflegt, ergeben sich die Mengen für Bodenbeläge, Sockelleisten, Wandfliesen, Putz und Anstrich durch einfaches Summieren nach Belag oder Oberfläche. Diese Mengen fließen als Vordersätze in das Leistungsverzeichnis. Bei der Abrechnung lässt sich jede Menge auf einen Raum zurückführen und mit dem Aufmaß vergleichen.
Beispiel: Mengen aus dem Raumbuch
| Raum | Fläche | Umfang | Belag | Sockel |
|---|---|---|---|---|
| 1.01.01 Flur | 9,4 m² | 15,2 m | Fliese 60×60 | 13,4 m |
| 1.01.02 Wohnen | 28,6 m² | 22,0 m | Parkett Eiche | 19,8 m |
| 1.01.03 Schlafen | 14,2 m² | 15,4 m | Parkett Eiche | 13,8 m |
| 1.01.04 Bad | 7,8 m² | 11,4 m | Fliese 60×60 | entfällt (Wandfliese) |
| Summe | 60,0 m² | Parkett 42,8 m² / Fliese 17,2 m² | Sockel 47,0 m |
Beim Sockel sind Türöffnungen abgezogen. Diese Logik lässt sich in Excel mit Summen nach Belag einfach abbilden.
Raumbuch in Bemusterung, Abnahme und Übergabe
Im Bauträgergeschäft wird das Raumbuch zur Grundlage der Bemusterung: Die Käufer wählen je Raum Fliesen, Bodenbeläge und Sanitärobjekte, und jede Abweichung vom Standard wird als Sonderwunsch eingetragen. Bei der Abnahme dient das Raumbuch als Soll, gegen das der Ist-Zustand geprüft wird. Mängel lassen sich über die Raumnummer eindeutig zuordnen. Nach der Übergabe erhalten Betreiber oder Eigentümer mit dem Raumbuch eine Übersicht, welche Materialien und Produkte verbaut wurden, was für Wartung und spätere Reparaturen wertvoll ist.
Raumbuch in Excel oder im Planungsprogramm?
Für kleine und mittlere Projekte ist eine Excel-Tabelle der pragmatische Weg: Sie ist für alle Beteiligten lesbar, lässt sich filtern und summieren und braucht keine Spezialsoftware. Bei großen Projekten oder BIM-Planung wird das Raumbuch häufig direkt aus dem CAD- oder BIM-Modell erzeugt, weil Flächen und Raumdaten dort bereits hinterlegt sind. Dann ist wichtig, dass Änderungen nur an einer Stelle erfolgen, damit Modell und Tabelle nicht auseinanderlaufen. Unabhängig vom Werkzeug sollte jede Fassung des Raumbuchs mit Datum und Planstand versehen und wie ein Plan versioniert werden.
Typische Fehler beim Raumbuch
- Uneinheitliche Raumnummern in Plan, Raumbuch und LV.
- Kein Planstand vermerkt: Niemand weiß, auf welchem Planindex die Angaben beruhen.
- Jeder Raum einzeln beschrieben statt Raumtypen mit Abweichungen; Änderungen werden dann unvollständig übernommen.
- Flächen ohne Methode: DIN 277 und Wohnflächenverordnung gemischt. Wohnflächen gehören getrennt ermittelt, etwa mit dem Rechner Wohnfläche berechnen.
- Raumbuch nicht fortgeschrieben: Sonderwünsche und Planänderungen fehlen, das Dokument ist bei der Abnahme veraltet.
- Zu viele Details zu früh: Im Entwurf genügen Fläche, Nutzung und Standard; Details folgen in der Ausführungsplanung.

