Recht & Pflichten

Urlaubsanspruch bei 4-Tage-Woche und Teilzeit: Formel, Tabelle und Beispiele mit Rechner

Aktualisiert am 23. Oktober 2026 · 8 Min. Lesezeit · Redaktion BauDock
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Der Urlaubsanspruch bei 4-Tage-Woche und Teilzeit richtet sich nach der Zahl der Arbeitstage pro Woche: Wer an weniger Tagen arbeitet, hat weniger Urlaubstage, aber genauso viele freie Wochen wie Vollzeitkräfte. Bei einer 4-Tage-Woche ergibt sich aus 30 vertraglichen Urlaubstagen (bezogen auf die 5-Tage-Woche) ein Anspruch von 24 Urlaubstagen, gesetzlich sind es mindestens 16. Dieser Artikel erklärt die Formel nach dem Bundesurlaubsgesetz (BUrlG), zeigt eine Tabelle für alle Modelle von 1 bis 6 Arbeitstagen, typische Sonderfälle und was im Baugewerbe nach dem Bundesrahmentarifvertrag (BRTV) gilt.

Das Wichtigste in Kürze
  • Der gesetzliche Mindesturlaub beträgt 24 Werktage bei einer 6-Tage-Woche (§ 3 BUrlG), umgerechnet 20 Tage bei 5 Arbeitstagen und 16 Tage bei der 4-Tage-Woche.
  • Formel: Urlaubstage laut Vertrag × eigene Arbeitstage pro Woche ÷ Bezugs-Arbeitstage (meist 5). Aus 30 Tagen werden bei 4 Tagen 24, bei 3 Tagen 18 Urlaubstage.
  • Teilzeitkräfte erhalten gleich viele Urlaubswochen wie Vollzeitkräfte. Arbeiten sie an 5 Tagen mit weniger Stunden, haben sie genauso viele Urlaubstage.
  • Beim Wechsel von Vollzeit in Teilzeit darf bereits erworbener Urlaub nach der Rechtsprechung von EuGH und BAG nicht nachträglich gekürzt werden.
  • Im Bauhauptgewerbe gelten für gewerbliche Arbeitnehmer eigene Regeln nach BRTV (30 Arbeitstage, Abwicklung über SOKA-BAU).

Urlaubsanspruch bei Teilzeit: die Grundregel

Das Bundesurlaubsgesetz kennt keine eigene Regel für Teilzeit. § 3 Abs. 1 BUrlG legt nur fest, dass der Urlaub jährlich mindestens 24 Werktage beträgt. Als Werktage gelten alle Kalendertage, die nicht Sonn- oder gesetzliche Feiertage sind, also auch der Samstag. Das Gesetz geht damit von einer 6-Tage-Woche aus: 24 Werktage entsprechen genau 4 Wochen Urlaub.

Arbeitet jemand an weniger Tagen pro Woche, wird der Anspruch auf seine tatsächlichen Arbeitstage umgerechnet. Ziel ist, dass alle Beschäftigten gleich viele Wochen freinehmen können. Das ergibt sich auch aus dem Diskriminierungsverbot für Teilzeitkräfte in § 4 Abs. 1 TzBfG und dem Pro-rata-temporis-Grundsatz: Wer an 3 Tagen arbeitet, braucht für eine freie Woche eben nur 3 Urlaubstage.

ℹ️ Stunden spielen für die Tage keine Rolle
Entscheidend ist die Zahl der Arbeitstage, nicht die Zahl der Stunden. Wer an 5 Tagen je 4 Stunden arbeitet, hat denselben Urlaubsanspruch in Tagen wie eine Vollzeitkraft. Die Stunden wirken sich nur auf das Urlaubsentgelt aus, also auf die Bezahlung während des Urlaubs.

Formel: Urlaubstage bei 4-Tage-Woche berechnen

Die Umrechnung folgt einer einfachen Formel. Maßgeblich ist, auf welche Arbeitswoche sich der Urlaub im Vertrag oder Tarifvertrag bezieht. Der gesetzliche Mindesturlaub bezieht sich auf 6 Werktage, die meisten Arbeitsverträge auf eine 5-Tage-Woche.

Muster zum Übernehmen
Formel Urlaubsanspruch Teilzeit
Urlaubstage = Urlaubstage laut Vertrag × eigene Arbeitstage pro Woche ÷ Arbeitstage, auf die sich der Vertrag bezieht
Gesetzlicher Mindesturlaub: 24 × Arbeitstage pro Woche ÷ 6
Vertraglicher Urlaub (Bezug 5-Tage-Woche): z. B. 30 × Arbeitstage pro Woche ÷ 5

Beispiel 1: 4-Tage-Woche mit 30 Urlaubstagen

Eine Bauzeichnerin hat laut Vertrag 30 Urlaubstage bei einer 5-Tage-Woche und wechselt in eine 4-Tage-Woche. Rechnung: 30 × 4 ÷ 5 = 24 Urlaubstage. Der gesetzliche Mindesturlaub läge bei 24 × 4 ÷ 6 = 16 Tagen, der Vertrag gewährt also mehr. Mit 24 Tagen kann sie wie bisher 6 Wochen freinehmen.

Beispiel 2: Urlaubstage bei 3-Tage-Woche

Ein Monteur in Teilzeit arbeitet montags bis mittwochs, der Betrieb gewährt 28 Urlaubstage auf Basis der 5-Tage-Woche. Rechnung: 28 × 3 ÷ 5 = 16,8 Urlaubstage. Gesetzlich stünden ihm mindestens 24 × 3 ÷ 6 = 12 Tage zu.

Beispiel 3: Vollzeit, aber 4-Tage-Woche

Auch bei einer 4-Tage-Woche mit 40 Stunden (4 × 10 Stunden) zählt nur die Zahl der Arbeitstage. Bei 30 Urlaubstagen im Vertrag ergeben sich 24 Urlaubstage. Ein Urlaubstag „kostet“ hier allerdings 10 Arbeitsstunden. Achten Sie bei 10-Stunden-Tagen zusätzlich auf die Grenzen des Arbeitszeitgesetzes.

Tabelle: Urlaubstage nach Arbeitstagen pro Woche

Urlaubsanspruch nach Arbeitstagen (gerundet auf zwei Nachkommastellen)
Arbeitstage pro WocheGesetzlicher Mindesturlaubbei 25 Tagen (Bezug 5-Tage-Woche)bei 28 Tagenbei 30 Tagen
6 Tage243033,636
5 Tage20252830
4 Tage162022,424
3 Tage121516,818
2 Tage81011,212
1 Tag455,66

Schneller geht es mit dem Urlaubsrechner: Sie geben Vertragsurlaub, Arbeitstage und Eintrittsdatum ein und erhalten den Anspruch für das Jahr, auch anteilig.

Bruchteile von Urlaubstagen: runden oder nicht?

Bei der Umrechnung entstehen oft Bruchteile wie 16,8 Tage. Eine allgemeine Pflicht zum Auf- oder Abrunden gibt es nicht. § 5 Abs. 2 BUrlG sieht eine Aufrundung nur beim Teilurlaub vor: Bruchteile von mindestens einem halben Tag werden dort auf volle Tage aufgerundet, etwa bei Eintritt oder Austritt im laufenden Jahr. Andere Bruchteile bleiben nach der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts als Bruchteil bestehen und sind entsprechend stundenweise zu gewähren oder bei Ende des Arbeitsverhältnisses abzugelten. Viele Betriebe runden zugunsten der Beschäftigten auf; das ist zulässig, eine Abrundung unter den Anspruch dagegen nicht.

Unregelmäßige Arbeitstage und Schichtmodelle

Wechselt die Zahl der Arbeitstage von Woche zu Woche, etwa im Schichtbetrieb oder bei saisonaler Verteilung, wird auf das Jahr umgerechnet. Grundlage ist die Zahl der Arbeitstage im Jahr im Verhältnis zu den Arbeitstagen einer Vollzeitkraft.

Muster zum Übernehmen
Formel bei unregelmäßiger Verteilung
Urlaubstage = Urlaubstage laut Vertrag × eigene Arbeitstage im Jahr ÷ Arbeitstage im Jahr bei Vollzeit
Bezug 5-Tage-Woche: 260 Arbeitstage im Jahr (52 Wochen × 5); Bezug 6-Tage-Woche: 312
Beispiel: 30 Urlaubstage × 182 eigene Arbeitstage ÷ 260 = 21 Urlaubstage

Wechsel von Vollzeit in Teilzeit im laufenden Jahr

Wechselt ein Mitarbeiter unterjährig in die 4-Tage-Woche, stellt sich die Frage, was mit dem bereits erworbenen Urlaub passiert. Der Europäische Gerichtshof hat entschieden, dass Urlaub, den ein Arbeitnehmer in Vollzeit erworben, aber noch nicht nehmen konnte, durch den Wechsel in Teilzeit nicht gekürzt werden darf (u. a. Rechtssache C-486/08 „Zentralbetriebsrat der Landeskrankenhäuser Tirols“ und C-415/12 „Brandes“). Das Bundesarbeitsgericht hat seine frühere Praxis der vollständigen Umrechnung daraufhin aufgegeben.

  • Zeitraum vor dem Wechsel: Urlaub wird anteilig nach dem alten Modell berechnet und bleibt in dieser Höhe erhalten.
  • Zeitraum nach dem Wechsel: Urlaub wird anteilig nach dem neuen Modell berechnet.
  • Praxis: Am einfachsten ist es, den Urlaub aus der Vollzeit möglichst vor dem Wechsel zu nehmen oder die Resttage schriftlich festzuhalten.

Wechselt umgekehrt jemand von Teilzeit in Vollzeit, wird der Anspruch für den Zeitraum ab dem Wechsel nach dem neuen Modell berechnet. Für die Bezahlung von Urlaub aus der Teilzeitphase gibt es Detailfragen, die im Einzelfall geprüft werden sollten.

Urlaub im Baugewerbe: Hinweis zum BRTV

Für gewerbliche Arbeitnehmer im Bauhauptgewerbe gilt nicht nur das BUrlG, sondern der allgemeinverbindliche Bundesrahmentarifvertrag für das Baugewerbe (BRTV). Er sieht einen Jahresurlaub von 30 Arbeitstagen vor; Samstage zählen dort nicht als Arbeitstage. Der Urlaubsanspruch entsteht nach Beschäftigungstagen, und die Urlaubsvergütung wird über das Urlaubskassenverfahren der SOKA-BAU abgewickelt: Der Arbeitgeber zahlt Beiträge an die Kasse und erhält die ausgezahlte Urlaubsvergütung erstattet. Weil Ansprüche bei Arbeitgeberwechsel innerhalb der Branche mitgenommen werden, sieht die Berechnung anders aus als im übrigen Arbeitsrecht.

Für Angestellte im Baugewerbe, für das Ausbaugewerbe und für Handwerksbetriebe anderer Branchen gelten eigene Tarifverträge oder allein der Arbeitsvertrag. Prüfen Sie deshalb immer, welcher Tarifvertrag auf das Arbeitsverhältnis anwendbar ist. Aktuelle Beitragssätze und Verfahrensregeln veröffentlicht die SOKA-BAU.

⚠️ Teilzeit im Bau-Tarif
Auch nach BRTV erhalten Teilzeitbeschäftigte Urlaub anteilig zu ihren Arbeitstagen. Die genaue Berechnung über Beschäftigungstage und Urlaubsvergütung richtet sich aber nach dem Tarifvertrag und nicht nach der einfachen Formel oben. Im Zweifel hilft die SOKA-BAU oder der zuständige Arbeitgeberverband.

Urlaub bei Eintritt oder Austritt im laufenden Jahr

Den vollen Urlaubsanspruch erwerben Beschäftigte erst nach 6 Monaten Wartezeit (§ 4 BUrlG). Wer vorher ausscheidet oder in der zweiten Jahreshälfte eintritt, erhält nach § 5 Abs. 1 BUrlG für jeden vollen Monat ein Zwölftel des Jahresurlaubs. Beispiel: 4-Tage-Woche, 24 Urlaubstage, Eintritt am 1. August: 5 volle Monate × 24 ÷ 12 = 10 Urlaubstage. Scheidet jemand in der zweiten Jahreshälfte nach erfüllter Wartezeit aus, bleibt mindestens der volle gesetzliche Mindesturlaub erhalten; für den vertraglichen Mehrurlaub kann der Vertrag eine Zwölftelung vorsehen.

Typische Fehler bei der Urlaubsberechnung in Teilzeit

  • Stunden statt Tage umrechnen: Bei 5 Tagen mit reduzierten Stunden bleibt die Zahl der Urlaubstage gleich.
  • Mindesturlaub falsch ansetzen: Die 24 Werktage beziehen sich auf die 6-Tage-Woche, nicht auf 5 Arbeitstage.
  • Alten Urlaub beim Wechsel kürzen: In Vollzeit erworbener Resturlaub darf nicht nachträglich verringert werden.
  • Bruchteile streichen: Abrunden unter den tatsächlichen Anspruch ist unzulässig.
  • Tarifvertrag übersehen: Im Bauhauptgewerbe gelten für gewerbliche Arbeitnehmer die BRTV-Regeln mit Urlaubskasse.
  • Keine Dokumentation: Ohne nachvollziehbare Urlaubs- und Arbeitszeitliste entsteht bei Austritt schnell Streit über Resttage und Abgeltung. Für Anträge auf Papier gibt es die Urlaubsantrag Vorlage.
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So hilft BauDock
Gegen den letzten Fehler hilft eine Urlaubsliste, die nicht neben der Zeiterfassung herläuft. In BauDock beantragen Mitarbeiter Urlaub am Handy, und Sie genehmigen oder lehnen ab; Krankmeldungen kommen auf demselben Weg, die AU lässt sich anhängen. Genommene Tage werden als Arbeitstage gezählt, Feiertage nicht mitgerechnet. Wer im Urlaub ist, kann nicht versehentlich eingestempelt werden und taucht in der Einsatzplanung als abwesend auf. Den Anspruch nach Vertrag und Tarif ermitteln Sie schnell mit dem Urlaubsrechner und tragen ihn je Person ein.
ℹ️ Keine Rechtsberatung
Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Maßgeblich sind Arbeitsvertrag, anwendbarer Tarifvertrag und Betriebsvereinbarungen.
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Quellen
Fragen & Antworten

Häufige Fragen

Wie viele Urlaubstage habe ich bei einer 4-Tage-Woche?

Rechnen Sie Ihren vertraglichen Urlaub × 4 ÷ 5. Bei 30 Urlaubstagen sind es 24 Tage, bei 28 Tagen 22,4 Tage. Der gesetzliche Mindesturlaub bei einer 4-Tage-Woche beträgt 16 Tage.

Wie viele Urlaubstage stehen mir bei einer 3-Tage-Woche zu?

Gesetzlich mindestens 12 Tage (24 × 3 ÷ 6). Bei 30 vertraglichen Urlaubstagen auf Basis der 5-Tage-Woche sind es 18 Tage.

Habe ich in Teilzeit weniger Urlaub als in Vollzeit?

In Tagen ja, wenn Sie an weniger Tagen pro Woche arbeiten. In Wochen gerechnet nicht: Teilzeitkräfte können genauso viele Wochen freinehmen wie Vollzeitkräfte. Arbeiten Sie an 5 Tagen mit weniger Stunden, bleibt auch die Zahl der Urlaubstage gleich.

Wie berechne ich den Urlaubsanspruch in Teilzeit?

Urlaubstage laut Vertrag × eigene Arbeitstage pro Woche ÷ Arbeitstage, auf die sich der Vertrag bezieht. Für den gesetzlichen Mindesturlaub rechnen Sie 24 × Arbeitstage ÷ 6.

Verfällt mein Urlaub beim Wechsel von Vollzeit in Teilzeit?

Nein. Urlaub, den Sie in Vollzeit erworben haben, darf nach der Rechtsprechung von EuGH und BAG beim Wechsel in Teilzeit nicht gekürzt werden. Erst für die Zeit nach dem Wechsel gilt der neue, umgerechnete Anspruch.

Wie viel Urlaub gibt es auf dem Bau?

Gewerbliche Arbeitnehmer im Bauhauptgewerbe haben nach dem Bundesrahmentarifvertrag (BRTV) 30 Arbeitstage Urlaub im Jahr. Die Urlaubsvergütung läuft über das Urlaubskassenverfahren der SOKA-BAU.